Widerstand gegen die Zumutungen des Glaubens

Administrator (admin) on 31.07.2010

Uwe Schmidt

Der Autor Uwe Schmidt beschreibt seine „ganz persönliche Kirchengeschichte“. Dies auf 177 mitreißenden Seiten. Wer selbst Geschichte mit christlichem Glauben und Kirche hat, der wird das Buch nicht weglegen.

So vertraut und eindrücklich sind die Erlebnisse, die Uwe Schmidt schildert. In seiner Kindheit und Jugend begegnete er dem, was in christlich geprägten Elternhäusern üblich war und ihn als Kind so ratlos zurück gelassen hat. Ein allwissender Gott, der auf ihn herabschaut, ein alles könnender Jesus, der am Ende für seine Sünden gestorben ist. Immer stärker drängte sich dem heranwachsenden Uwe Schmidt auf, dass all das heruntergeleierte Beten zu Hause und in der Kirche, wenig bis gar nichts mit seiner Lebenswirklichkeit zu tun hatte. Es war bloße Formsache, die man zu akzeptieren hatte, die ihm monolithisch im Wege stand. Ob es der Kindergottesdienst im Halbdunkel eines alten Gemäuers, die Karfreitagsgottesdienste mit all ihrem Schwarz mitten im Frühling, oder der Konfirmationsgottesdienst mit abstoßendem Abendmahl war, alles zusammen genommen, machte Uwe Schmidt deutlich, dass Kirche kein Ort der Freude, sondern eher der Bedrückung war.

Die Suche nach dem, was der Kern des christlichen Glaubens war, blieb dem jungen Menschen verborgen. Es musste doch etwas im Glauben geben, was hinter dicken Schichten von Verstaubtheit, Heuchelei und viel Zwang, zu finden war. Berührungspunkte zu Kirche und Glauben gab es in der Bundeswehrzeit von Uwe Schmidt, die ihn wieder neugierig gemacht hatten. In den Anfangsjahren seines Germanistik- und Lateinstudiums, wuchs bei ihm der Wunsch, es doch mal mit Theologie zu versuchen. Dies war eine andere, freiere Herangehensweise an das Christliche, an die Bibel, an die Religion, die den kritischen, wissenschaftlichen Blick erlaubte. Das Studium des Alten Testaments bot ihm die Möglichkeit, sich mit den religiösen Wurzeln, aus denen heraus das Christentum als Abzweigung gewachsen ist, zu befassen.

Im großen und ganzen war das Studium positiv und machte Uwe Schmidt Lust auf weiteres Forschen, doch eine Universitätskarriere war auf Grund von Überfüllung kaum möglich. So war der Gang zum Landeskirchenamt folgerichtig, um auf die Studienjahre Arbeitsjahre folgen zu lassen. Widererwartend wurde er dort mit offenen Armen aufgenommen und konnte sich bei einem aufgeschlossenen und umgänglichen Vikarsvater in praktischer Weise auf das Pfarramt vorbereiten. Mit dem Erwerb des Talars und der ersten Predigt in seiner Vikariatsgemeinde wurde Uwe Schmidt klar, dass das Pfarramt eine ganz andere Nummer war, als das freidenkerische Studium. Nun sollte Uwe Schmidt hinter dem stehen, was ihm als junger Mensch abgestoßen hat. Dass dies eine große Last war, das wurde ihm immer klarer. Nach seiner Ordination, „dem Ritterschlag mit Gelübde“, konnte er glücklicherweise in einer für reformfreudigen Gemeinde anfangen zu arbeiten. Wäre Uwe Schmidt nicht in diese Randgemeinde von Kiel gekommen, hätte er es gewisslich nicht 25 Jahre lang im Pfarramt ausgehalten. Wie er sich – „abgestützt von der Gemeinde“ – in diesen Jahren durch geschlagen hat, beschreibt Uwe Schmidt sehr bewegend. Dies auch mit Auszügen aus gehaltenen Predigten, die seine stufenweise Entfremdung von dem normal christlichem Gedankengut, dem festgefügten Glaubenswahrheiten, aufzeigen. Immer mit der Frage: Was kann ich mit gutem Gewissen vertreten? Was ist bevormundend? Was wiederspricht der Lebenswirklichkeit der Menschen?
Beim Lesen von „Widerstand gegen die Zumutungen des Glaubens“ ist mir ein empfindsamer, nachdenklicher und ehrlicher Uwe Schmidt begegnet, der sich durch seinen Pfarramtsdienst, durch das Pastorengehabe, nicht hat abstumpfen lassen. Ein Mensch, der um Glaubenkönnen ringt, sich treu geblieben ist, und der gläubigen Lesern viel zu sagen hat.

Pastorin Susanne Jensen

 

  • Taschenbuch: 177 Seiten
  • Verlag: Teia Lehrbuch Verlag (31. Juli 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3942151480
  • ISBN-13: 978-3942151481

Back

Uwe Schmidt

Der Autor Uwe Schmidt beschreibt seine „ganz persönliche Kirchengeschichte“. Dies auf 177 mitreißenden Seiten. Wer selbst Geschichte mit christlichem Glauben und Kirche hat, der wird das Buch nicht weglegen.