Wenn Frauen Gott sagen

Administrator (admin) on 08.03.2013

Doris Strahm

Frauen beschädigt, sondern auch das Selbstbild der Männer religiös überhöht, deren Geschlecht allein als würdig erachtet wird, dem Göttlichen als Bild zu dienen. Gleichzeitig liegt damit eine Vergötzung Gottes vor, der Gott ist und kein Mann, wie es schon beim Propheten Hosea (11,9) heisst. ...

Vater, Herr, Schöpfer, Richter, König, Retter: Seit zweitausend Jahren ist im Christentum von Gott fast ausschliesslich in männlichen Bildern die Rede. Auch die Dreifaltigkeit von Gottvater, Sohn und Heiligem Geist trägt dazu bei, dass wir uns Gott als "männlich" vorstellen. Und in der Liturgie, den Gebeten und Liedern, dem Vaterunser und den Glaubensbekenntnissen wird die Vorstellung eines männlich gedachten Gottes ständig verfestigt. Für Frauen heisst dies, dass sie und ihre Erfahrungen im Göttlichen nicht repräsentiert sind, dass ihre Gottebenbildlichkeit keine Entsprechung im Gottesbild findet. Mit der ausschliesslich männlichen Rede von Gott wird nicht nur das Selbstbild von

Wenn Frauen Gott sagen, dann bringen sie heute auch weibliche Bilder in die Gottesrede ein, z.B. vergessene Bilder aus der biblischen Tradition wie Gott als Mutter, als Gebärende, als Hebamme, als Hausfrau, als Bäckerin, als Geistkraft (Ruach) oder als weibliche Weisheit (Sophia). So nötig diese weiblichen Gottesbilder für das Selbstbild von Frauen sind, so wichtig ist es aber auch, wie feministische Theologinnen betonen, nicht-personale Bilder zu brauchen, um das göttliche Geheimnis zu benennen, in dem wir leben und sind. Bilder, die über die Geschlechterrollen hinausweisen und Männer und Frauen nicht auf traditionelle Rollenbilder festlegen: so etwa Gott als Quelle des Lebens, als Liebe, als schöpferische Geistkraft oder als Macht-in-Beziehung, die in und durch uns und in der ganzen Schöpfung wirkt.

Gott mit einer Vielfalt von Namen und Bildern zu benennen ermöglicht eine lebendige Gottesrede, die der Vielfalt der Lebens- und Glaubenserfahrungen von Menschen gerecht wird, sie nicht auf Geschlechterrollen fixiert und gleichzeitig auch die Unverfügbarkeit des Göttlichen bewahrt, das in keinem (einzelnen) Bild umfassend beschrieben werden kann.

(8.3.2013, Doris Strahm)

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