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Überlegungen zu den „Fürbitten im Totentanz des Terrorismus“

Administrator (admin) on 30.05.2015

Es sind Fürbitten zu einem brennenden aktuellen Anliegen: zur grässlichen Plage des Terrorismus. Für den Titel boten sich etwa folgende Formulierungen an: Fürbitten zum Terrorismus... Fürbitten  gegen den Terrorismus... Fürbitten zum Totentanz des Terrorismus... zum Totentanz im Terrorismus. Die letzte Formulierung scheint zutreffend: Wir sind alle mitten drin – im Totentanz

Der Terrorismus hat ein erschreckendes Gesicht angenommen. Darum dürfte ein Beten mit diesem Anliegen unmittelbar einer „theistischen Versuchung“ ausgesetzt sein: Hinwendung zur Vorstellung eines Allmächtigen, von dem erwartet wird, dass er, wie in der Bibel so oft, „mit Macht“ eingreife und das Grauen stoppe. Ähnlich haben wohl unzählige Menschen während des Holocaust gefleht. Aber es gilt, jene ernst zu nehmen, die ich an der letzten Jahresversammlung der GfGR zitiert habe:

Paul Tillich, Hans Jonas, Maurice Zundel, Ety Hillsum, Dorothee Sölle, Hubertus Halbfas, Klaus-Peter Jörns... Halbfas stellt in seinem Grundlagenwerk „Der Glaube“ dar, wie theistische Vorstellungen unmittelbar den Atheismus der letzten zweihundert Jahre ausgelöst haben. Er beschreibt das „Ende des Theismus“ und zeigt die Alternative auf: „Nicht-theistisch an Gott glauben: Die Mystik.“ In diesem Sinn schlage ich vor, bereits in der Eröffnung das theistische Gottesbild offen abzulehnen.

Nie mehr sagen wir: „Wir bitten dich, erhöre uns!“

Vielmehr kommt folgender Grundduktus zum Zug: Wir wenden uns selber dem Drama zu. Wir denke uns hinein. Wir schweigen und lauschen. Wir vernehmen aus der Tiefe ein Rufen nach Leben. Aus der Tiefe der Not, auch aus der Tiefe des Verbrechens.
So wird ein Schwerpunkt auf das Schweigen und Hören gelegt. Dazu braucht es genügend Zeit für den Vortrag der Fürbitten. Der Gong und sein Ausklingen geben ein Zeitmaß. Vorher wird in die Stille hinein gefragt: „Was schlägt die Stunde?“ Gemeint ist auch: Was schlägt uns die Stunde? Der gesungene Kanon als Kehrers zu den Fürbitten verleiht der Stille eine Richtung: für solches Hinhören auf das, was in der Tiefe sich regt: ein Rufen nach Leben. Und wir singen diese Worte den Menschen zu: nicht nur den Leidenden, sondern auch den Mördern und Verbrechern, auch den Verantwortlichen in Wirtschaft und Politik.
 

Die Fürbitten gehen auf vier Anliegen ein:
1. Die Kriegsteufel und Mörderbanden
2. Die Opfer der Blutbrunst in ihrer Heimat
3. Die Flüchtlinge und ihre Familien auf ihren Irrfahrten
4. Die Verantwortlichen in Wirtschaft und Politik
 

Zuerst wollte ich die vierte Sequenz unmittelbar auf die erste folgen lassen. Aber sie steht besser an letzter Stelle. In der Mitte stehen die Leidenden. Den Rahmen bilden die Herrschenden. In der dritten Sequenz hoffen die Flüchtlinge „auf Rettung und Zukunft – mit unserer Hilfe“. Aber eben, diese unsere Hilfe, oder der Wille dazu, prallt vielfach an die Schlagbäume aus Kreisen von „Wirtschaft und Politik“.
Übrigens: In diesem Binom wird zuerst die Wirtschaft genannt, der sich die Politik allzu oft unterwirft. Und wenn es heißt: „Wir denken an...“ statt „Wir beten für...“, so stehen dahinter gerade auch Überlegungen von Klaus-Peter Jörns (im letzten Kapitel seines Buches „Update für den Glauben“). Erst am Schluss wird gewagt, ein Du anzusprechen. Das Wort „Gott“ wird vermieden, weil es in Fürbitten immer noch unwillkürlich theistisch missverstanden wird. Aber vielleicht gelingt es, im Rufen, das wir erlauschen, das Geheimnis der werdenden Welt zu vernehmen. „Gott“ ruft... „Gott“ bittet uns...
 

Alois Odermatt / 30. Mai 2015

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Es sind Fürbitten zu einem brennenden aktuellen Anliegen: zur grässlichen Plage des Terrorismus. Für den Titel boten sich etwa folgende Formulierungen an: Fürbitten zum Terrorismus... Fürbitten  gegen den Terrorismus... Fürbitten zum Totentanz des Terrorismus... zum Totentanz im Terrorismus. Die letzte Formulierung scheint zutreffend: Wir sind alle mitten drin – im Totentanz