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Es ist notwendig und befreiend, wenn Glaubensvorstellungen aufgegeben werden, in denen Menschen nichts Heilvolles mehr erkennen können. Darum haben sich innerhalb der Religions­geschichte die Vorstellungen von Gott, Welt und Leben, und das heißt vor allem auch: das Selbst­­verständnis der Menschen, vielfach gewandelt.

Dieser Wan­del hängt mit der inneren Bindung von Religion und Kultur zusammen. Die Veränderungen der Gottesvorstellungen von der altisraelitischen Zeit bis in den christlichen Teil unserer Bibel hin­­ein und dann weiter innerhalb der Geschichte der christlichen Kirchen und Theologien belegen diese Bindung und die Notwendigkeit jenes Wandels bis heute. Ja, sie führen nur fort, was wir schon im christlichen Teil der Bibel vor allem im Nebeneinander der vier Evangelien und ihrer unterschiedlichen Jesus-Bilder studieren können.

Dabei stellen diese Entwicklungen nur einen schmalen Ausschnitt aus der universalen Religionsgeschichte dar, mit der sie vielfältig verwoben sind. Spätestens die Arbeiten von Manfred Görg haben gezeigt, dass der größte Teil der jüdischen und christlichen Glaubensvorstellungen Umformungen vor allem ägyptischer Vorstellungen sind. Diesem Thema gewidmet ist das Buch von Manfred Görg, Mythos, Glaube und Geschichte. Die Bilder des christlichen Credo und ihre Wurzeln im alten Ägypten, Patmos 1992.
(Klaus-Peter Jörns)


Kommentar um Rücktritt von Papst Benedikt XVI

Administrator (admin) on 17.02.2013

von Klaus-Peter Jörns

Der Rücktritt von Kardinal Joseph Ratzinger als Papst Benedikt XVI. hat das Papstamt verändert - schon dadurch übrigens, dass er während seiner Amtszeit Bücher über Jesus geschrieben und sich damit in einem zentralen theologischen Thema diskutabel gemacht hat. ...

Nach ihm kann ein Papst niemandem mehr zumuten, ex cathedra reden und Gehorsam einfordern zu wollen. Das wäre nicht mehr glaubwürdig, auch wenn es noch einmal versucht werden sollte. Als Benedikt hat Joseph Ratzinger dokumentiert: Päpste denken subjektiv, anfechtbar wie alle Theologen.
Mehr noch aber hat Benedikt XVI. das Papstamt dadurch verändert, dass er durch den Rücktritt wegen körperlicher und geistiger Schwäche als Grundsatz eingeführt hat, dass die Amtsführung an bestimmte persönliche Voraussetzungen gebunden ist. Und das heißt: Der Status als Stellvertreter Christi ist nicht zu halten, wenn diese doppelte Schwäche spürbar eintritt. Das ist eine schlichte, aber revolutionäre Einsicht - und nimmt eine kirchenrechtliche Regelung vorweg, die unbedingt nachgeholt werden und festlegen muss, welche Kriterien dafür gelten. Klar ist jedenfalls, dass das Amt nun offiziell auf eine Amtszeit reduziert worden ist, die abläuft, wenn des Papstes körperliche und geistige Kräfte schwinden. Indem die katholische Kirche diesen Grundsatz als Rücktrittsgrund akzeptiert hat, hat sie auch der Änderung des Papstamtes zugestimmt.
Dieses Damokles-Schwert wird künftig über jedem Nachfolger hängen – außer man erkennt, dass es peinlich werden könnte, einen körperlich und geistig altersgemäß geschwächten Papst aus dem Amt zu nehmen – auch gegen fehlende Einsicht. Da wäre es wohl klüger, die Amtszeit gleich zu begrenzen. Eine solche Regelung böte die Chance, künftig auch Jüngere als bisher zu wählen und vor einer Wiederwahl kritische und selbstkritische Fragen zu stellen. In jedem Fall aber werden die wahlfähigen Kardinäle in Zukunft noch viel sorgfältiger wählen müssen als bisher. Denn alle Päpste können ab sofort „Übergangspäpste“ werden.
Klaus-Peter Jörns

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von Klaus-Peter Jörns

Der Rücktritt von Kardinal Joseph Ratzinger als Papst Benedikt XVI. hat das Papstamt verändert - schon dadurch übrigens, dass er während seiner Amtszeit Bücher über Jesus geschrieben und sich damit in einem zentralen theologischen Thema diskutabel gemacht hat. ...