“Frühchristliches Abendmahl” der Ev. Kirchengemeinde Dießen am Ammersee

Administrator (admin) on 15.10.2018

Dr. Christian Greiff

"Frühchristliches Abendmahl” der Ev. Kirchengemeinde Dießen am Ammersee
Wie bei uns Abendmahl gefeiert wird.


Nach der Lektüre der Schriften von Eugen Biser und Klaus-Peter Jörns und der Teilnahme einiger Gemeindemitglieder an einem von Pfarrer Jörns in der Evangelischen Gemeinde von Berg am Starnberger See gehaltenen Gottesdienst mit neu gestaltetem Abendmahl, hat der Gesprächskreis bei der Evangelischen Gemeinde in Dießen eine neue Liturgie für das Abendmahl erarbeitet, ...

... die ebenfalls Abstand nimmt von dem paulinischen Gedanken eines Sühneopfers Jesu. Man mußte sich dabei von den im Neuen Testament zu lesenden Einsetzungsworten lösen. Diese hier frühchristlich genannte Liturgie soll die herkömmliche Feier des Abendmahls nicht verdrängen, aber von Zeit zu Zeit im Sonntagsgottesdienst angeboten werden, damit die Gemeinde damit ihre Erfahrungen machen kann.

In der Dießener Friedenskirche wurde dieses Abendmahl erstmals im November 2012 gefeiert und in der Folgezeit immer wieder einmal - mit Genehmigung von Kirchenvorstand und Kirchenleitung. Es wurde als befreiend empfunden und als ein Anlaß, die Gemeinschaft mit Jesus als dem Verkünder des liebenden Gottes neu zu spüren.

Erst in diesem Jahr lernten wir zwei Bücher des belgischen Jesuiten Roger Lenaers kennen, in denen er nach dem Sinn des Abendmahls, der Eucharistie fragt. Er sagt: Die späteren theologischen Deutungen als Sühnopfer oder als Mysterion verlassend muß man zurückgehen zur frühchristlichen Deutung als ein Mahl des Herrn. Es geht “um das Erkennen Jesu im Zeichen von Brot und Wein und um das Erlangen des Heils durch eine Zuwendung zu ihm, die sich symbolisch äußert im Essen vom Brot und im Trinken vom Wein”. Und: “Das Brot in seinen Händen bekommt so einen neuen und unendlich reicheren Sinn … als Zeichen einer intensiven Begegnung und Verbundenheit zwischen den Jüngern und ihrem Herrn und Meister”.

Über die Homepage unserer Gesellschaft und die Vermittlung eines unserer Mitglieder erfuhr Roger Lenaers von unserer Dießener Liturgie und schrieb mir in drei Mitteilungen erfreut: dies sei ja ganz in seinem Sinne ein “gläubiger Abschied vom Ritus und Zurückkehr zum nahrhaften Kern” (ähnlich wie der Titel seines 2. Buches); die Glaubensbotschaft müsse “zu ihren ursprünglichen Formen zurückfinden”, und: “In Dießen habt ihr ein Stückchen heilige Freiheit zurückerobert”.                                Es ergab sich auch ein Gedankenaustausch zwischen ihm und unserem Gesprächskreis zu Fragen der äußeren Gestaltung: Erst durch wirkliches Essen von wahrem Brot und wirkliches Trinken von Wein können wir der Feier einen “Anschein von Echtheit” verleihen.

Die bei uns gebrauchte Abendmahlsliturgie möchte ich im folgenden auch anderen Gemeinden zur eigenen Prüfung mitteilen.

                            Dr. Christian Greiff                            15. Oktober 2018


 

Ein frühchristliches Abendmahl

„Nun laßt uns das Abendmahl feiern.“

Bericht:

„Jesus predigte das Evangelium Gottes und sprach: Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist herbeigekommen. Zum sichtbaren Zeichen für das Reich Gottes hielt er immer wieder Tischgemeinschaft mit den Menschen. Auch wir dürfen Tischgemeinschaft mit Jesus feiern und erinnern uns dafür an das Abendmahl, das er in der Osterwoche in Jerusalem gehalten hat.

Am Abend vor seinem Tod hielt Jesus mit denen, die ihm nahe waren, das letzte gemeinsame Mahl.

Er nahm das Brot, dankte, brach’s, gab es den Seinen und sprach:

Nehmt und esset Brot des Lebens aus meinen Händen.

Dann nahm er den Kelch mit Wein, dankte, gab ihnen den und sprach:

Nehmt und trinket die Frucht des Weinstocks, die Liebesgabe Gottes.

 

Sooft ihr künftig von diesen Lebensgaben esst und trinkt zu meinem Gedächtnis, bin ich in eurer Mitte.  Bleibet in meiner Liebe“.

Einladung:          „Kommt nun, denn es ist alles bereit. Sehet und schmecket, wie freundlich der Herr ist“.

Wir treten heran und bilden einen Kreis um den Altar.

Gebet:

„Gepriesen seist du, Jesus Christus.

Du schenkst uns dieses Brot, die Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit,

und zugleich das Zeichen deiner Gegenwart.

Laß das Brot zum Brot des Lebens für uns werden.

 

Gepriesen seist du, Jesus Christus.

Du schenkst uns diesen Wein, die Frucht des Weinstocks und der menschlichen Arbeit, und das Zeichen für Gottes Liebe und Nähe.

Laß den Wein zum Trank der Liebe für uns werden.

Wie die Ähren von den Feldern und die Trauben von den Weinbergen
in diesen Gaben vereint sind in Brot und Wein,
so laß uns untereinander und mit dir vereint sein.“             

Austeilung: (Orgelklang)

                Der Korb mit Brot wird im Kreis der Abendmahlsgäste  weitergereicht, jeweils mit den Worten:

                „Brot des Lebens für dich“.

                Dann wird der Kelch mit Weißwein gereicht,  jeweils mit den Worten:

                „Gottes Liebe für dich“.

Wir reichen uns im Kreis die Hände, ein Bibelwort.

Gebet:

Herr Jesus, wir danken dir für die Gaben, mit denen du Leib und Seele ernährst. Wir haben sie empfangen als Zeichen deiner Liebe und Nähe, als Zeichen des Reiches Gottes unter uns.“

„Geht hin in Frieden“.   Wir nehmen Platz.

 

Ein mögliches Gebet (oder nun das Vater-Unser):

„Jesus, unser Herr - wie du zu den Menschen gingst und das Brot mit ihnen brachst, so bist du auch hier in unserer Mitte, wenn wir beim Abendmahl deiner gedenken. Denn du bist auferstanden vom Tode.

Du hast gesagt: Ich will euch wiedersehen und euer Herz soll sich freuen.
An deiner Auferstehung im Osterlicht haben wir Anteil.
Wir werden durch unseren Tod hindurch mit dir verbunden bleiben.
Du willst das Abendmahl neu mit uns feiern, wie du gesagt hast:
Ich werde nicht mehr vom Gewächs des Weinstocks trinken bis an den Tag,
da ich’s neu trinken werde mit euch in meines Vaters Reich.
O Herr, so bleibe bei uns heute, und bis ans Ende unserer Tage,
und geleite uns gnädig dann zu dir in dein Reich. Amen“.

Lied Nr 091: „Wenn das Brot, das wir teilen, als Rose blüht, und das Wort, das wir sprechen, als Lied erklingt, dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut, dann wohnt er schon in unserer Welt. Ja da schauen wir heut’ schon sein Angesicht in der Liebe, die alles umfängt“. 

Dazu die Verse 2 bis 5.

 

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