Karfreitagsgottesdienst

Administrator (admin) on 09.09.2013

Gottesdienst am Karfreitag (ohne Sühnetheologie)

Pfarrerin Dorothee Eisrich, Schorndorf

Gottesdienst am Karfreitag (ohne Sühnetheologie)

Orgelvorspiel

Begrüßung /Votum

Lied: Jesu meine Freude (Text: Gerhard Schöne; Melodie: Johann Crüger)

Psalm 22 Teil I

Eingangsgebet-Stilles Gebet

Musik

Schriftlesung: Jesaja 42, 1-8

Glaubensbekenntnis

Lied: EG 95, 1-4 I Vorsänger, II alle)

Predigt über Matth 27, 33-54

Musik

Abendmahlsgebet – Einsetzungsworte – Friedensgruß – Kommunion

Gebet – Vaterunser

Lied: EG 221, 1-3

Ansagen

Segensbitte: EG 157

Segen

Orgelnachspiel

 

 

Eingangsgebet am Karfreitag

Heiliger Gott,

wir begegnen uns heute unter dem Kreuz. Du bist in diese Welt hineingekommen, in der es so viel Leid gibt, so viel Gewalt und so viel Hilflosigkeit. Wir suchen nach Leben, nach Wegen aus der Gefahr, nach Sinn, nach Befreiendem, und sind auf dich gewiesen. So vieles gibt es in meinem Leben, was wie ein Schatten mich und andere verdunkelt. Schenke uns einen offenen Blick für die Not und für die Wege, die wir gehen können. Lass uns entdecken, welchen Weg du gegangen bist, was uns frei macht, was uns tröstet und was uns hilft, füreinander da zu sein.

 

In der Stille wollen wir weiterbeten, miteinander und füreinander, was uns heute besonders bewegt.

 

Mt 27,33-54 Predigt am Karfreitag 2013

Liebe Gemeinde,

es geht schon unter die Haut, was Menschen einander antun können. Und es ist unfasslich, warum gerade Jesus ein solches Schicksal trifft. Wir kennen niemand, der sein Leben so tief in Gott gegründet hat wie er. Niemand, dessen Leben so durch und durch voller Güte und Barmherzigkeit war, voller Erbarmen und voller Liebe zu jedem einzelnen Menschen. Und ausgerechnet sein Leben nimmt ein solch grausiges Ende?

Kinder erschrecken, wenn sie zum ersten Mal den Gekreuzigten in einer Kirche hängen sehen. Für uns Erwachsene bieten sich Fluchtwege an. Wir fliehen oft sehr schnell in dogmatische Welten, in Gedankengebäude, die den Stachel nehmen und alles erklären. „Gott hat das so gewollt…“. Aber was für ein Gottesbild wäre denn das: ein Gott, der Leid und Gewalt will? Immer mehr Menschen überspringen einfach diesen schwierigen Karfreitag mit seinen düsteren Themen – und freuen sich lieber auf Ostern, das Fest des Frühlings und des Lebens und der Unbeschwertheit.

Denn in der Tat: Wer sich auf die Passionstage einlässt, stellt sich den dunklen Seiten des Lebens. Aber wer sich auf die Passionstage einlässt, für den kommt auch endlich einmal zusammen, was für uns so schwer zusammenzubringen ist: Gott und das Leid. Ein in Gott gegründetes Leben – und dennoch das Scheitern, die Erfahrung, dass das Leben einem aus der Hand gleiten, zerbrechen kann. Wie schön, dass unser christlicher Glaube da nicht einen Bogen herum macht, sondern diese Fragen in die Mitte unserer Glaubens gehören.

Heute hören wir die Passionsgeschichte Jesu in der Lesart des Matthäusevangeliums. Er erzählt von den letzten Lebensstunden Jesu so nüchtern wie möglich. Kein Ausschmücken von grausigen Details. Schonungslos ehrlich. Gottes Sohn – ausgelacht, vorgeführt, entehrt. Ein Messias, der nach Gott schreit, um Hilfe bittet. Und es kommen keine Engel. Keine rettende Hand, die wenigstens in letzter Sekunde noch hilft. Kein Gott, der eingreift. Nur Schrei und Finsternis. Matthäus mutet uns zu, es auszuhalten. Nicht, um uns zu quälen. Sondern weil so viele Menschen es aushalten müssen, dass niemand da ist, der hilft. Kinder, die in den Armen ihrer Mütter sterben, weil nicht genug zu essen da ist. Gefolterte, Vergewaltigte, Flüchtlinge, ohnmächtig Sterbende. Es ist ja der Schrei und die Finsternis für Millionen Menschen, deren Tod niemand sieht und deren Leiden wir nur ahnen. Und oft vielleicht auch, in anderer Form, unsere Einsamkeit, wenn wir vor Brüchen in unserem Leben stehen.

Wie können wir die Botschaft von Karfreitag verstehen?

Vor 4 Jahren habe ich die Karwoche in Indien erlebt. Mitten unter unzähligen Menschen, die alle nichts zu essen hatten. Es war, als ob der leidende und sterbende Christus unter ihnen tausendfach gegenwärtig war. So viele Menschen ohne Dach über dem Kopf, ohne Arbeit, ohne sauberes Wasser. Ein täglicher Kampf ums schiere Überleben. Unglaublich tapfer und ergeben trugen die meisten ihr Schicksal. Und mitten unter diesem schier endlosen und namenlosen Leid, wo so viele Menschen einfach übrig sind eine christliche Gemeinde, die sich in wahrer Sisyphusarbeit um die Menschen kümmerten, die Waisenmädchen aufnahmen und ihnen einen Platz zum Leben gaben. Die die Kranken kostenlos medizinisch versorgten und für die Alten und Behinderten ein Haus bauten, in dem sie leben konnten. Immer wieder versammelten sie sich zu Gottesdiensten, aus denen sie Kraft schöpften. Good Friday nennen sie dort den Karfreitag, weil der Tod Jesu für sie nichts Theoretisches war. Es erzeugte keine depressive Stimmung, sondern war die Mut machende Botschaft schlechthin. Dieser Jesus, der unter die Räder gekommen ist wie sie, der ihnen so ähnlich war in seinem ohnmächtigen Leiden, diesen Jesus macht Gott zum Eckstein, zum tragenden Stein in seinem Reich. Es war Gott, der mit ihnen litt, mit ihnen starb und sie zu neuem Leben führte. Und es war, als ob Christus in den Christen dieser Gemeinde unablässig auferstand und weiterwirkte.

Das Matthäusevangelium selbst enthält sich einer schnellen Deutung des Todes Jesu. Aber auffallend ist: es beschreibt die kosmische Dimension dieses Todes. Es sind ja Bilder, die aus einer Zeit stammen, die mit dem heutigen Weltbild kaum in Einklang zu bringen sind. Und doch ahnen wir auf einer tieferen Ebene, was wohl damit gemeint ist. Steine wanken, Felsen zerbrechen, der Vorhang zum Tempel zerreißt – nichts ist mehr, wie es vorher war. Matthäus meint: Etwas ist geschehen, was die Situation grundlegend verändert. Wenn dieser Jesus seine Liebe zu allen Menschen lebte bis in den Tod, wenn er nicht auswich, dann zerreißt dies den Vorhang, der unser Leiden und Leben von Gott trennt. Dann ist auch in den schlimmsten Stunden der Himmel nicht weit weg, sondern Gott mitten unter uns. Paulus sagt: Nichts kann uns trennen von der Liebe Gottes. Keine Angst, keine Verzweiflung, keine Gefahr, keine Gewalt, kein Tod. Dann können auch wir weit überwinden durch den, der uns geliebt hat.

Während die Jünger Jesu voller Angst und Entsetzen miterleben müssen, wie Christus tatsächlich am Kreuz stirbt und sie damit zunächst einmal vor den Scherben ihres bisherigen Gottesbildes stehen, weil sie wohl bis zuletzt hofften, dass Gott eingreift und hilft, erkennt der fremde römische Hauptmann als erster: Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen. Hier ist einer einen ganz besonderen Weg zu Ende gegangen. Er ist nicht umgeknickt. Er hat sich nicht vom Hass seiner Mörder anstecken lassen. Er hat sich bis zuletzt seinem Gott anvertraut – und wenn es der Schrei nach ihm war.

Das Kreuz lehrt uns, dass unser Glaube auch dem Tod standhalten kann. Dass das Christentum keine Wohlfühlreligion ist, sondern gerade die Menschen in den Blick kommen, deren Leben zerbricht. Wir hören die Stimme Jesu in diesen Tagen: Wachet und betet mit mir. Wir kommen nicht umhin, uns so manchen Fragen zu stellen: wie gehen wir um mit Verantwortung und Macht, mit Furcht und Versagen. Wie sieht es aus mit unserem Bangen um die Zukunft, unser Erbarmen und das Wahrnehmen von Würde. Wir werden an diesem Tag heute ermutigt, unser Leben wie Jesus ganz und gar unserem Gott anzuvertrauen. Und heute in seinem Geist weiterzuleben.

Manchmal schafft es die Musik viel besser als Worte es vermögen, und das Unbegreifliche und den Trost in unser Herz und in unsere Seele zu singen. So lassen wir nun unsere Worte und Gedanken von der Musik weiter und tiefer tragen und hören aus Händels Johannespassion: Getrost mein Herz, hier kannst du Gnad umfassen.

 

Abendmahlsgebet am Karfreitag

Heiliger Gott,

wir spüren heute an diesem Tag, wie verletzlich das Leben ist, wie verletzlich die Liebe ist, wie verletzlich im Grunde du bist, lebendiger Gott. Und doch bist du uns nahe wie eine nie versiegende Quelle.

Du willst nicht, dass wir einem Trugbild nachlaufen. Du rufst uns in die Nachfolge Jesu. Du willst, dass wir heute deine Boten sind. SO bitten wir dich: vergib uns, wo wir uns haben blenden lassen, wo wir den Weg der Liebe verlassen haben. Vergib uns all die Dinge, die in deinem Reich zu nichts führen, unser unfruchtbares Grübeln, alle Wichtigtuerei und Selbstgefälligkeit. Lass uns Frieden darin finden, in deinem Licht zu wandeln.

Wir wollen deinem Geist Raum geben in unserem Leben und uns nicht beirren lassen. Du sagst uns heute wieder neu zu: Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der Herr, dein Erbarmer.

So erinnern wir uns an die Worte der Einsetzung des Abendmahls ...

 

Dankgebet nach dem Abendmahl

Barmherziger Gott,

wir danken dir, dass wir Gäste sein durften an deinem Tisch; dass du uns rufst und uns brauchst, uns verwandelst und uns begleitest auf dem Weg, der vor uns liegt. Hilf uns, dass auch wir in unserem Leben Liebe schenken, Hoffnung aussäen, Frieden stiften.  Vater unser im Himmel…

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Letzte Worte Jesu am Kreuz – Wort und Musik am Karfreitag 2013

Introduktion

Gruß und erstes Wort

Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen. Herzlich willkommen heute am Karfreitag, wo wir innehalten und mit Musik und Wort uns einlassen auf das Geheimnis, das Verstörende, das Befreiende, das von diesem Tag ausgeht.

Letzte Worte sind wie ein Vermächtnis. Sie verdichten, fassen zusammen. Bringen unfassbares Leid zusammen mit dem Glauben an Gott. Machen den Blick frei auf das Leben, wie es ist, und den Blick frei auf Gott, jenseits von allen Träumen und Bildern, die wir uns gerne von Gott machen. Es lohnt sich, die Stimme Jesu am Kreuz zu hören – und mit ihm die Stimme der ersten Christen, die in vier ganz verschiedenen Evangelien ihren Gemeinden Zeugnis geben von ihrem Glauben an Gott. Und diese Worte dann durch die Musik in unser Leben und in unsere Herzen hineinzulassen.

Das erste der sieben Worte Jesu am Kreuz: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.

Wie kommen wir zu einem versöhnten Leben? Wie kann ich Frieden finden, versöhnt leben, mit mir selbst, mit den Menschen neben mir? Alle Religionen geben Antwort auf diese Frage. Die Botschaft Jesu war: Vergebt einander. Niemand von uns lebt, ohne dass wir nicht schuldig werden aneinander. Wir werden schuldig an uns selbst. Wir können den Menschen neben uns gar nicht gerecht werden. Wie schnell passiert es, dass wir uns verrennen. Das Maß und das Ziel in unserem Handeln verlieren.

Was uns zum Leben hilft, ist nicht das Prinzip Rache. „Auge um Auge, Zahn um Zahn“. Den andern ein Leben lang die Fehler nachtragen, die sie uns antun. Die eigene Schuld gar nicht erst sehen. Der Schlüssel zu einem Leben in Frieden ist, die Schuld einander zu vergeben. Es eröffnet Lebensraum. Sich nicht vom Hass anstecken lassen, auch nicht, wenn man nach menschlichem Ermessen Grund genug dazu hätte.

Aber gilt das auch, wenn es um Leben und Tod geht, für mich oder für den Menschen, den ich liebe? Es ist unfasslich, dass ein Mensch wie Jesus es bis zu seinem Tod durchhalten konnte. Er lebte, was er glaubte, bis zuletzt. Und so ist dies sein erstes Vermächtnis an uns. Vater, vergib ihnen. Rechne es ihnen nicht an. Sie wissen nicht, was sie tun.

 

„Amen, ich sage dir: Noch heute wirst du mit mir im Paradies sein:“

Was, wenn uns die nackte Angst packt? Wenn der Tod bei mir anklopft? Wenn wir nicht mehr ausweichen können vor dem großen Tabuthema Tod? Wenn der Boden unter meinen Füßen brüchig wird? Wir lernen neben Jesus zwei Menschen kennen, die mit ihm gekreuzigt werden. Vermutlich ebenfalls Opfer von Willkür und Gewalt. Der eine verspottet Jesus und versucht alles ins Lächerliche zu ziehen. Da bist du nun gelandet, Sohn Gottes – und bist auch nicht besser dran als wir. Der andere hat den Ernst der Lage begriffen. Vielleicht sieht er sein Leben noch einmal an sich vorüberziehen. Was er alles versäumt hat, wo er am Leben vorbeigelebt hat. Was er falsch gemacht hat. Er spürt, dass Jesus anders ist. Dass hier ein Mensch neben ihm ist mit einer großen inneren Kraft. Mit einer Hoffnung, die größer ist als sein eigenes Leben und Sterben. Kann Jesus für ihn Fürsprecher sein, wenn sie heute beide noch vor Gottes Angesicht treten?

Jesus kennt die Lebensgeschichte dieses Menschen nicht. Aber er sieht seine Angst und seine Sehnsucht. Er sieht ihn an, wie er immer Menschen angesehen hat: mit den Augen der Liebe. Nicht festgelegt auf seine Vergangenheit. Sondern voller Offenheit und Vertrauen für das, was möglich ist. Und so sagt er zu ihm: Wahrlich, ich sage dir, noch heute wirst du mit mir im Paradies sein. Mitten im Leiden und Sterben die Zusage ohne Wenn und Aber: Lass dich fallen in die Arme Gottes. Sie werden dich tragen. Es sind Arme der Liebe.

 

Frau, siehe, das ist dein Sohn – siehe, das ist deine Mutter.

Was so schwer ist beim Sterben: zu wissen, dass Menschen allein zurückbleiben. Niemand kann ihn ersetzen: eine Lebenspartner, eine Mutter, ein Kind. Zu dem letzten Vermächtnis Jesu gehört, dass er uns zueinander weist. Den Weg der Trauer muss man wohl allein gehen. Und doch sind wir auf diesem Weg nicht allein. Es gibt Menschen neben uns.

Jesus sieht am Kreuz seine Mutter dastehen. Wer kann einen trösten, wenn sein Kind stirbt? Er sieht neben ihr seinen Freund, den um Fassung ringenden Jünger Johannes. Und da sagt er zu ihm: Johannes, das ist jetzt deine Mutter. Siehe, das ist jetzt dein Sohn. Und von dieser Stunde an, heißt es, nahm Johannes Maria zu sich.

Was für ein schönes Bild legt der Evangelist Johannes uns ans Herz. Viel wichtiger als alle dogmatischen Höhenflüge, die man ja auch anstellen könnte an einem Karfreitag, ist es ihm, dass sich dieses Bild in unseren Köpfen einnistet: ein Jünger, der seinen Arm um eine trauernde Mutter legt. Der sterbende Jesus weist uns zueinander. Lasst einander nicht allein. Dieser Mensch neben dir: Es ist dein Bruder, deine Schwester.

 

Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?

Es ist ein Schrei, der bis ins Mark geht. Wo bist du Gott? Warum hilfst du nicht? So wie Jesus damals schreien so viele Menschen, rufen nach Gott in ihrer Not – und es kommt keine Hilfe. Kein Himmel tut sich auf. Keine bewahrende Hand. Wie kann man das aushalten?

Wie viele Menschen teilen diese Erfahrung. Und stehen allein da – in einer Welt voller tüchtigen und rechtschaffenen Menschen.

Wir haben ein Symbol für diese bittere Erfahrung: das Kreuz. In einer Zeit, in der der Erfolg zum Wichtigsten im Leben geworden ist, ja geradezu zu einem Gott geworden ist, wo die Menschen angesehen sind, denen alles gelingt, ist und bleibt das Symbol des christlichen Glaubens das Kreuz. Wir leben nicht in einer heilen Welt. Hört doch, wo jemand schreit. Wo jemand zerbricht. Wo jemand leidet.

Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?

Heinrich Böll hat einmal gesagt: Jetzt müsste man eigentlich Gott trösten.

 

Mich dürstet!

Auch wenn man über dieses Wort Jesu nachdenkt, kommt so manches Bild, das wir uns von Gott gemacht haben, ins Wanken. Der, der alle Meere und alles Wasser auf dieser Welt erschaffen hat, ruft: mich dürstet. Der, zu dem wir beten, weil wir auf seinen Beistand und auf seine Hilfe hoffen, ist angewiesen auf unsere Hilfe? Ja, genau so ist das Leben. Wir alle sind angewiesen aufeinander. Wir können nicht uns selbst alles geben. Wir sind bedürftige Menschen. Hungrig und durstig. Auch nach Zuneigung, nach Wärme, nach allem Lebensnotwendigen. Und wo dieses Lebensnotwendige fehlt, wird das Leben eine Qual.

Wir erinnern uns an die Worte Jesu: Was ihr einem dieser Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan. Seht in jedem, der Not leidet, mein Antlitz. Ich bin es, der euch ruft.

Mich dürstet! Glaube ist nicht so kompliziert, wie wir oft meinen. Bonhoeffer hat einmal gesagt hat: Christen gehen zu Gott in seinem Leiden.

 

Es ist vollbracht!

Der Weg ist gegangen. Jesus ist nicht ausgewichen. Nicht eingeknickt in letzter Minute. Er hat bis zuletzt jeden Menschen geachtet. Sein Leben hingegeben. Liebe gelebt.

Es hat das Äußerste gekostet.

Es ist vollbracht – das heißt auch: etwas hat sich vollendet. Ein Ziel ist erreicht. Dieser Stein, den die Bauleute verworfen haben: er ist zum Eckstein geworden einer neuen Gesellschaft, einer neuen Kirche, einer Gemeinschaft von mittlerweile Millionen Menschen, die weltweit in diesem Geist Jesu weiterleben. Seit 2000 Jahren stehen Menschen in allen Erdteilen auf und sagen: Hier bei uns lebt Jesus weiter.

Sein Tod ist wie ein Samenkorn. Wie ein Wunder. Es ist vollbracht, was niemand zu hoffen gewagt hatte. Dieser Geist Jesu ist nicht kaputt zu kriegen, nicht aus der Welt zu schaffen. Immer weiter verwandelt er uns Menschen und diese Welt, bis sie zu dem Ort wird, wie Gott ihn sich erträumt hat.

 

Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist.

Spätestens hier merkt man, dass man die Worte Jesu nicht einfach addieren kann. Die 4 Evangelien enthalten tatsächlich 4 verschiedene Versionen des Lebens und des Todes Jesu – und niemand störte sich daran und bügelte alles glatt. So wollen auch wir heute nicht glatt bügeln, sondern den verschiedenen Dimensionen, die sich dahinter verbergen, Raum geben. Matthäus und Markus haben sich der Erfahrung der Gottverlassenheit gestellt. Johannes sah das Werk Jesu vollbracht. Und Lukas? Ihm war am wichtigsten: wenn wir an unsere Grenzen kommen, kann der Glaube wachsen. Aus der tiefen Verbundenheit mit Gott hat Jesus gelebt. Vater hat Jesus Gott genannt. Auch in der Todesstunde trägt diese Beziehung und wächst der Glaube: ich kann mich aus der Hand legen. All die Gedanken, die ich nicht verstehe. All die Worte, auch die ungesagten. Meinen Verstand, der so gerne verstehen möchte und so vieles doch nicht fasst. Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist. Mein ganzes Leben. Auch wenn so vieles offen bleibt und wir uns manches anders wünschten.

Und so wie die Gemeinden darum rangen, den Tod Jesu zu verstehen und immer neue Worte suchten für das, was so fremd und doch im Grund so tröstlich und befreiend war, so bleibt es Aufgabe bis in unsere heutige Zeit: Worte zu finden, mit denen wir mitteilen können, was wir im Tod Jesu erkennen: die Erfahrung, dass wir auch in Zeiten der größten Einsamkeit und des Leids Jesus als unseren Bruder an unserer Seite haben. Das Vertrauen, dass wir im Leben und im Sterben in Gottes Hand geborgen sind. Und die behutsame Erkenntnis, dass das, was uns erlöst, die Liebe ist. So sind wir eingeladen, heute an diesem Tag zu erschrecken, uns erschüttern zu lassen, zu staunen, aufzustehen und mit unserem Leben an diesem Reich Gottes weiterzubauen.

 

 

 

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