Ist jeder seines Glückes Schmied?

Administrator (admin) on 16.02.2020

Predigt zu Luk 8,4-8 am 16.02.2020 in Holzkirchen

Predigt zu Luk 8,4-8 am 16.02.2020 in Holzkirchen

Jeder ist seines Glückes Schmied. So sagt man, zumindest wenn es einem gut geht. Alle Kulturen kennen dieses heimtückische Prinzip. Jesus sah, wie das die Menschen einsam macht; denn wie kann einer sein Glück schmieden, wenn er im Unglück sitzt? Das Evangelium von heute gibt darauf konkrete Antworten.

Jesus war ein Dolmetscher des Lebens. Er half den Menschen, ihr Leben zu verstehen und es zu lieben. Er sah, was die Menschen plagt und was sie krank macht, und sprach sie direkt darauf an. Dazu hatte er immer kleine Geschichten parat, z.B. ein Gleichnis. Das war dann so, als führte er die Menschen in eine große Kirche und ginge mit ihnen an den Glasfenstern entlang. Sie leuchten im Licht der Sonne und zeigen in einzelnen Bildern das Leben, wie es aussieht im Lichte Gottes. So können die Menschen sich in den Bildern dieser Fenster erkennen als ein Stück des Himmels.

So malt Jesus in dem Gleichnis von heute vier verschiedene Schicksale des Lebens. Er sagt: „Stell dir Gott vor wie einen Bauern in der Zeit der Aussaat. Er hat ein Feld vor sich, das nicht im besten Zustand ist. Da wächst Unkraut, und es liegen Steine herum. Trotzdem, weil die Natur eben so ist, wird der Bauer sein Saatgut nehmen und es ausstreuen. So sät Gott auch das Leben aus, deines und meines. So kommst du aus seiner Hand.“ Jesu Gleichnis möchte wie eine Wegleuchte sein. Jeder Mensch muss gleichsam seinen eigenen Weg nach Hause finden, zu sich und zum Sinn seines Lebens.

Jesus beschreibt das erste Bild: Es sieht bei einem Menschen so aus, als wäre das Saatkorn, also sein Leben, neben den Acker gefallen, auf den Weg, wo es nicht hingehört. Er sehnt sich nach Sonne, nach Regen und Tau. Aber da kommen Vögel und picken und zerstören jedes Blättchen seiner Lebenspflanze. Ein ganzes Menschenleben kann so aussehen, als wäre einer immer nur die Beute der anderen. Er zieht schnell Aggressionen auf sich und fühlt sich von allen benutzt. Es geht ihm, als wenn die anderen immer nur auf ihm herumtrampeln würden, gleichsam wie im Vorbeigehen. Und er hat keine Kraft, sich zu wehren.

Viele sehen das, halten sich aber raus und sagen nur: „Warum ist der auch so blöd“. Heute spricht man oft von Mobbing: Es beginnt in der Schule, vielleicht sogar schon zu Hause und dann auch in der Arbeit. So eine dustere Lebenserfahrung kann sich ansammeln über Jahrzehnte. Es ist das Besondere an Jesus, dass er die Enttäuschungen sieht und anspricht. Er bewertet nicht, er gibt nur einen versteckten Rat: Bleib stehen vor dem Bild deines Lebens, schau es dir an und nimm dich ernst.

Jesus geht weiter zum zweiten Fenster und betont: „Die Saat, die der Bauer aufs Feld bringt, ist an sich gut. Vergiss das nicht. Doch mancher Same fällt auf felsigen Grund. Dort erwärmt sich die Erde schnell, das Pflänzchen schießt auf, kann aber nicht haften. Es hat keine Möglichkeit, starke Wurzeln zu bilden und Nahrung zu finden“. Jesus sieht einen Menschen, der sich schnell begeistert, aber fast ebenso schnell wieder aufgibt. Vielleicht ist er begabt und hätte viele Möglichkeiten und hat auch vieles probiert. Er wollte immer gut sein, anderen gefallen und keinem lästig werden. Er hat früh geheiratet und Kinder bekommen. Ja, sein Leben sollte glücklich sein. Er hatte auch Erfolg, Schwung und Mut. Aber vieles, was er anpackt, geht am Ende schief: die Ehe und die Entwicklung der Kinder; auch im Beruf kam es nicht zum großen Erfolg. Dabei hat es an gutem Willen nie gefehlt. Die richtigen Vorsätze waren da.

Wer will ein solches Leben mit Vorwürfen tadeln und mit Mahnungen in Ordnung bringen? Am Ende hat man einen Menschen vor sich, ausgelaugt und ausgezehrt, müde und kraftlos. Gegen ein solches Lebensschicksal gibt es kein vernünftiges Argument. Diese Wunde heilt nicht durch Besserwisserei. Es hilft einzig, dass es erst einmal erlaubt ist, so gelebt zu haben. Von Jesus hören wir keine Durchhalteparolen wie etwa: „Gib nicht auf, du schaffst das!“ Nein, wir sehen nur, wie er einen Menschen mitten in den Ungerechtigkeiten des Lebens zu sich selbst zurückführen will.

Wir treten vor das dritte Glasfenster und erschrecken vielleicht. „Das Leben hat die Willkür einer Lotterie“, schreibt heute eine Tageszeitung. Jesus erzählt, wie der Sämann, also Gott, den Samen in die Dornen wirft. Das ist ein schlimmes Bild: Es sieht aus, als würde die kleine Pflanze rasch überwuchert, als wären alle anderen größer als sie – wie wenn sich ein Mensch immer zu klein fühlt. Ihm bleibt nur, zu den anderen aufzuschauen oder die Augen niederzuschlagen.

Die Pflanze inmitten von Dornen, da kann man auch einen Menschen sehen, an den sich andere hängen wie Kletten. Sie saugen ihn aus und rauben ihm die Kraft, die er für sich selber bräuchte.

Oder ein Mensch wird verfolgt von den Fehlern, die ihm passiert sind.

Auch Krankheit kann ein Leben beinahe ersticken. Sie drängt sich immer mehr nach vorne und bindet alle Aufmerksamkeit. Man sieht gar nicht, dass es um das eine, einzige Leben geht. Man weiß nicht mehr, wer man selber ist, und duckt sich an die Erde, um seinen Frieden zu finden. Der Mensch will nur noch, dass es ein Ende hat.

Und wieder fragt es sich: Wie will man dahinein Ordnung bringen? Jesus wagt den Hinweis: Es war Gott, der den Samen des Lebens in die Dornen geworfen hat. So schwer es ist: Auch dieses Bild ist ein Glasfenster, das von außen leuchtet.

Schließlich beschreibt Jesus das, was jeder Mensch sich erträumt und doch selten so erlebt: Es fällt die Saat auf die „richtige“ Erde – setzen wir das mal in Gänsefüßchen. Klar, die „gute“ Erde bringt Frucht, hundertfach oder sechzigfach oder immerhin dreißigfach. Doch, ist das nicht ein billiger Kontrast zu dem bisher Gesagten? Gut genug für ein schlechtes Gewissen oder die Depression? Man braucht ja nur sein eigenes Leben anzuschauen. Und doch gibt es das: die Pflanze des Lebens auf guter Erde.

Es weiß auch jeder im Grunde, wer er sein könnte und wozu er berufen ist. Im Letzten ist das der Grund der Niedergeschlagenheit: Der Mensch weiß, wie kostbar er ist - und wie schnell es geschieht, dass er sich aufgibt und verliert. Da sagt Jesus: Denke einmal darüber nach, wie der Rest deiner Jahre hingehen soll. Vielleicht wirst du jetzt, wenn du nach vorne schaust, deines Glückes Schmied. Das steht bei dir oder bei Gott - bei euch beiden jedenfalls und bei niemand drittem.

Jesus spricht ja nicht einfach von Menschen, die alles ‚richtig‘ machen. Aber es gibt sie wirklich, die Glück haben im Leben: mit ihrer Ausstrahlung auf andere, mit ihren Eltern und Freunden und ihren Lebensumständen. Sie bekommen Chancen und wissen, sie zu nutzen. Sie sind auch sich selbst gut Freund. Und sie geben anderen die Hoffnung: Etwas davon könntest Du auch erreichen.

Wir Menschen leiden ja nicht Mangel an gutem Willen. Aber wir sehnen uns nach dem einen Satz: Du bist mit deinem Leben etwas Besonderes - oder in der Sprache der Bibel gesagt: „Gott liebt Dich“.

Er segne uns. Amen

Text als PDF.

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