Die Gesellschaft für eine Glaubensreform bespricht Bücher und andere Schriften, die in das thematische Feld einer Glaubensreform fallen. Unaufgefordert zugesandte Bücher oder Schriften besprechen wir nach eigener Auswahl, nicht besprochene Bücher werden nicht zurückgeschickt.
Die Reihenfolge der veröffentlichten Besprechungen wird durch das Datum bestimmt, an dem sie hier eingestellt worden sind. Die GfGR freut sich über Anregungen zu dieser Rubrik.


 

Friedrich Christian Delius, Warum Luther die Reformation versemmelt hat. Eine Streitschrift.

Administrator (admin) on 01.08.2017

von Dr. Christian Greiff

Er geht nicht zimperlich mit dem Reformator um, der F.C. Delius, aber der in diesem Jahr ausgiebig Gefeierte wird es aushalten müssen.

Vielleicht muß man nicht sagen, er habe die Reformation versemmelt. Vielleicht genügt: Er war noch nicht so weit und die Zeit dafür noch nicht reif. Aber in der Tat, nach 500 Jahren ist es an der Zeit, auch die von Luther übernommene augustinische Erbsündenlehre historischer und theologischer Kritik zu unterwerfen. Das tut Dibelius mit sichtlichem, “protestantischem” (S. 60) Vergnügen, ohne Häme, aber mit einem sehr feinen Gespür dafür, was durch die Übernahme von Augustins Sündenverständnis schief gelaufen ist. An diesem Punkt ist er ganz nahe an dem, was in der Gesellschaft für eine Glaubensreform diskutiert wird und z.B. in der “Hofgeismarer Erklärung” formuliert wurde. Eine lesenswerte Streitschrift zu einem Kernthema der Theologie. Lesenswert, weil da einer redet, der Kirche von außen wahrnimmt, und das sind heute schon vielerorts die meisten. Lesenswert auch wegen vieler historischer Details, welche die allemal wirkenden nichttheologischen Faktoren beim Zustandekommen theologischer Sätze klar belegen.

80 Seiten. Rowohlt 2017, € 8,00.

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