Die Gesellschaft für eine Glaubensreform bespricht Bücher und andere Schriften, die in das thematische Feld einer Glaubensreform fallen. Unaufgefordert zugesandte Bücher oder Schriften besprechen wir nach eigener Auswahl, nicht besprochene Bücher werden nicht zurückgeschickt.
Die Reihenfolge der veröffentlichten Besprechungen wird durch das Datum bestimmt, an dem sie hier eingestellt worden sind. Die GfGR freut sich über Anregungen zu dieser Rubrik.


 

Martin Luther Tischreden. Ausgewählt und erläutert von Christian Lehnert

Administrator (admin) on 11.09.2016

von Dr. Christian Greiff

Den Autor Christian Lehnert, Theologe und Dichter, lernte ich im September auf der Tagung zu schlesischer Literatur genannt „Wangener Gespräche“ kennen. ...

Dort wurde ihm für seine Poesie der Eichendorff-Literaturpreis 2016 verliehen. Er sprach auch von seinem gerade erscheinenden Buch:


„Martin Luther Tischreden Ausgewählt und erläutert von Christian Lehnert“, Insel-Bücherei Nr. 1421. Insel Verlag Berlin 2016 138 Seiten 14 €


Darin stellt er 193 Stücke aus der großen Zahl von Luthers Tischreden vor, geordnet nicht chronologisch, sondern nach Themen. Er hat nur solche Sätze in die Auswahl aufgenommen, „die heute noch Resonanzen erzeugen können“, wie er sagt. Sooft sich in den Texten Latein und Deutsch mischten, ließ er die lateinischen Passagen stehen und fügte in Klammern deutsche Übersetzungen ein. Aus Lehnerts Nachwort zitiere ich: „Luther zeigt sich als Stilist des Augenblicks. Verdichtet ist hier in wenigen Fügungen oft, was anderswo Bände füllt, und die Gattung des Spruchs... zeigt Luther in seiner intellektuellen Eigenart: als Denker in Bewegung, der je reagiert und antwortet und nie ein abgerundetes System sucht“. Und ferner: „Die Tischreden führen in ihren Abschweifungen und Zufällig- und Alltäglichkeiten auf einen ebenso festen wie unbestimmten Gravitationsraum in Luthers Denken: Man sieht ihn seine Wege suchen, Schritt für Schritt mit der Schrift, in die fremde, unbeschriebene Gegend der Zeit“.
Eine kleinere Auswahl aus Lehnerts Sammlung habe ich in unserem Gesprächskreis mit dem Gemeindepfarrer behandelt, und es ergab sich an mehreren Gesprächsabenden nacheinander ein wertvoller Gedankenaustausch. Es wurde jeweils nach dem Lesen eines der gesonderten Stücke der Tischreden innegehalten, um es zu bedenken und mit eigenen Lebens- und Glaubenserfahrungen zu verbinden – z. B. Nr. 21: „Ich hab noch alle tag an mir zu treiben, das ich könne beten, und las mir genugen, das ich kunne, wann ich mich lege, die 10 Gebote beten, das Vater unser und dar nach ein spruch oder zween; im Nachdenken darüber schlaff ich also ein“. Oder Nr. 25: „Es ist kein grosser ding, denn so wir kunnen gleuben, das Gott mit uns redet. Wenn wir das gleubten, so wehren wir schon seligk“. Und als drittes Stück Nr. 69: „Ein Christ betet alle Zeit ohn Unterlaß; ob er gleich mit dem Munde nicht betet, doch betet das Herz immerdar, er wache oder schlafe. Denn auch das Seufzlin eines Christen ist ein Gebet; so oft er seufzet, so betet er“.
Ich denke es ist gut, nicht nur über, sondern auch von Luther zu hören.

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