Feier der Lebensgaben Gottes - Erfahrungen und Fragen

Administrator (admin) on 01.12.2018

Wie wurde die Feier der Lebensgaben in anderen Gemeinden aufgenommen. Abschied vom Sühneopfermahl ist der Untertitel des Buches von Klaus Peter Jörns, in dem die theologischen Grundlagen hierfür dargelegt und eine neue Liturgie vorgeschlagen wird ...

Ich bin seit 18 Jahren Prädikant in der deutschsprachigen evangelischen Gemeinde in Barcelona.

Die Gedanken von Prof. Jörns haben mich überzeugt und ich habe seit einiger Zeit begonnen, die Feier der Lebensgaben statt der traditionellen Abendmahlsfeier in meinen Gottesdiensten, etwa 3mal im Jahr zu feiern.

Eine Genehmigung der KV habe ich nicht erbeten. Diese neue Feier wurde von der Gemeinde akzeptiert.

Ich bin in den Jahren einen Weg mit Umwegen und Veränderungen gegangen. Das erste mal habe ich die Feier der Lebensgaben so kopiert, wie ich sie in der damaligen Jahrestagung im Gottesdienst mit K-P. Jörns erlebt hatte.

Es trat ein Problem auf. Bei uns wurde schon seit Jahren das Abendmahl mit dem “Intinctus” der Oblate in den Wein gefeiert. Nur wenige nahmen den Kelch.

Brot zerbröselt aber im Wein und am Ende der Runde kommt ein Wein-Brot- Gemisch an. Das wird aber abgelehnt.

Ich habe auch eine Zwischenlösung probiert, dass, wer den Kelch nimmt, das Brot vorher isst, wer das nicht will, die Oblate nimmt und eintauchenkann.

Das Einfachste ist dann die Lösung, einfach Oblaten als Brot zu nehmen, einzutauchen oder nicht, wobei vom Symbolgehalt des gemeinsamen Essen Teilens viel verloren geht.

Mein zweites Problem war, dass ich das gegenseitige Schuldbekenntnis unmittelbar vor die Eucharistie stellte, wie ich es bei uns das eine Mal erlebt hatte. Es gibt da eine zweifache Kritik:

- Das Schuldbekenntnis ist kein Teil der Feier der Lebensgaben, sondern ein Teil des Gottesdienstes. Ich musste es von der Eucharistie trennen und an die Stelle stellen, wo in unserer traditionellen Liturgie das Schuldbekenntnis nach der Psalmlesung kommt.

- Ich musste also auch die Feier der Lebensgaben in die traditionelle und der Gemeinde bekannten Gottesdienstliturgieeinbauen.

- Es wurde von Gemeindegliedern vorgebracht, dass das Gegenüberstehen von jeweils 2 Personen offensichtlich ein zu persönliches Schuldbekenntnis und Vergebung bedeutete.

- Meine Kompromisslösung war dann, dass sich zwei Gruppen gegenüber stehen, die rechte und die linke Seite in der Kirche. Dabei kommt natürlich das so Wesentliche und Persönliche zu kurz: nämlich dem Gegenüber Schuld zu bekennen und zu vergeben, wie es der Auftrag Jesu war.

Die offene Tischgemeinschaft wird nicht empfunden und der sakramentale Charakter wird vom Abendmahl übernommen, wenn Brot und Wein zum Altar gebracht und von dort aus dann weitergegeben wird. Das ist vor allem wahr, wenn man gar nicht um den Alter herum stehen kann.

Ich habe deshalb zwischen Altar, der 3 Stufen höher als der restliche Kirchenraum steht, und den Kirchenbänken einen einfachen Tisch mit Tischtuch gestellt.

Um diesen Tisch stellen wir uns im Kreis auf.

Vom Tisch werden Wein und Brot genommen und weitergegeben.

Wir wollen ja nicht das traditionelle Abendmahl durch eine neue Feier ersetzen. Aber es geht doch darum, das “updaten” unser Glaubensvorstellungen auch in Gottesdiensten zu leben. Es sollte eine Möglichkeit sein.

Es gibt Gemeindeglieder, die die Sühneopfer Theologie ablehnen, aber trotzdem die traditionelle Abendmahlsfeier der Feier der Lebensgaben vorziehen.

Da spielt sicher die bekannte Liturgie eine Rolle, die uns alle unverändert durch unser ganzes Leben begleitet hat.

Müssen wir eine feste Liturgie entwerfen oder würde es besser sein, neue Formen auszuprobieren und auch zu variieren?

Im Buch “Lebensgaben Gottes feiern” von Jörns stehen viele schöne Texte dafür.

Trotzdem will ich versuchen, in einfacher Form die Lebensgaben zu feiern; und zwar an dem Platz, den das Abendmahl im traditionellen Gottesdienst hat.


 

So werde ich am 2. Advent die Lebensgaben feiern.

Wir feiern jetzt die Lebensgaben Gottes, an der Stelle, die das Abendmahl im traditionellen Gottesdienst hat.

Warum tun wir das?

Das letzte Abendmahl hat so nicht stattgefunden.

Die von Paulus überlieferten sogenannten Einsetzungsworte wurden nie von Jesus gesprochen. Der aus der jüdischen Tradition übernommenen Opferkult wurde einfach auf den hingerichteten Jesus übertragen. So konnte das Scheitern der Botschaft Jesu als Sieg von Gottes Liebe gefeiert werden.

Jesus hat mit seinen Anhängern die offene Tischgemeinschaft gelebt. An ihr konnten alle teilnehmen: Fromme und Sünder, Pharisäer und Zöllner, Jungfrauen und Huren, Bettler, auch Reiche, wenn sie es denn wollten. Die offene Tischgemeinschaft war ein sichtbar gelebtes Zeichen für seine Botschaft.

Mit der Feier der Lebensgaben Gottes übernehmen wir die o?ene Tischgemeinschaft. Sie symbolisiert die Zusammengehörigkeit, die Brüderlichkeit und die Solidarität der (teilnehmenden) Menschen.

Hier wird keiner ausgeschlossen, der teilnehmen will.

Der Hausherr sprach nach jüdischer Tradition Dank und Segensworte zum Beginn und zum Ende des gemeinsamen Essens. Dank für die Lebensgaben, Materielle und Religiöse, die uns zum Leben gegeben sind.

Damit öffnen wir die Tür zum Reich Gottes hier mitten unter uns. Wir beten gemeinsam:

Vater unser im Himmel geheiligt werde dein Name dein Reich komme
dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden
unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld
wie auch wir vergeben unserem Schuldigern
denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit
Amen

Wir geben einander ein Zeichen der Gemeinschaft und Geschwisterlichkeit. Wir singen: Jesus, Geist geboren..

Wir stellen uns im Kreis um den Tisch, auf dem Brot und Wein stehen.

Wir beten:

Wir danken für das Brot, und für alle Nahrungsmittel, die uns täglich zur Verfügung stehen, denken an die vielen Millionen Menschen, die sie nicht haben. Ebenso danken wir für die Botschaft Jesu von der bedingungslosen Liebe Gottes, die er in Gleichnissen ausgedrückt und auch gelebt hat.

Wir bitten um Gottes Geist und Liebe, dass wir bereit sind, mit denen zu teilen, die es nötig haben und ihnen von unserem Reichtum abzugeben.

Wir danken für den Wein, als dem Symbol von Gottes Liebe und Segen für uns. Amen

Wir reichen einander das Brot mit den Worten: Nimm und iss das Brot des Lebens. Wir geben danach einander den Kelch und sagen: Gottes Liebe für dich.

Wir beten:

Mit dem Brot und dem Wein haben wir die Lebensgaben Gottes miteinander geteilt. Wir hoffen auf innere Stärkung und Kraft, um im Frieden in die Welt um uns hinauszugehen.

Paul Klinkisch

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