Regionalgruppe Göttingen im März

Administrator (admin) on 11.03.2019

„Konkrete Erinnerungen an das Leben Jesu im Johannesevangelium“
Vortrag von Prof. Dr. Folker Siegert / Münster

Bovenden-Lenglern, St. Martini-Kirche, Lange Str.,
Beginn: 13.00 Uhr

Nachrichten über Jesus, die älter sind als der Jüdische Krieg (66-70, Zeit der Abfassung des Markusevangeliums), sind rar; ..

... man weiß immerhin, dass sowohl „Matthäus“ (eine Gruppe) wie Lukas (ein Autor) die sog. Logienquelle zur Verfügung hatten, bereits auf Griechisch geschrieben. Diese bietet aber nur Einzelszenen, keine historischen Zusammenhänge. Doch sind auch diese zum Verständnis des Wirkens Jesu wichtig und ertragreich. Wenn Paulus in 2.Kor 5,16 sagt, er wolle fortan nicht mehr Christus "nach dem Fleisch" kennen, dann ist das die Abstandnahme von seinem früheren Missverständnis, das ihn zur Verfolgung der Jesusjünger führte. Was jedoch der Gottessohn „im Fleische“ lebte, vor aller Augen, ist von unersetzlicher Wichtigkeit.  

Was Prof. Siegert uns am 11. März vorstellen wird, sind – im deutschen Text – die beiden Quellen, die hinter dem Johannesevangelium schon seit E. Hirsch und R. Bultmann vermutet werden und die er – mit Hilfe mehrerer Experten – in ihrer ursprünglichen Textfolge rekonstruiert hat. Die angelegte Methodik, an den Synoptikern längst erprobt, besteht aus Literarkritik und Redaktionskritik – textinternen Methoden also – einerseits und der Verzahnung der Ergebnisse mit der Profangeschichte des antiken Judäa – also Schritten aus dem Text hinaus – andererseits. Terminologisch unterschieden wird hierbei die Erinnerung (= festgehaltene Eindrücke) von der erzählerischen und schließlich der literarischen Verarbeitung. Erstere aus den Überarbeitungsschichten freizulegen, ist auch eine Frage psychologischen Feingefühls, wie es qualitätsvoller Geschichtsschreibung eignet; eine solche hat sich zuvor in die „allgemeine Weltkenntnis“ früherer Zeiten hineinversetzt. Weiter zurückzugehen von den geäußerten Eindrücken bis zu den auslösenden Ereignissen, ist das Schwerste; aber ohne Vermutungen dieser Art ist das historische Geschäft nicht beendet, und solche Vermutungen lassen sich sehr wohl erhärten. 

Als bisherige Veröffentlichung des hier Vorzustellenden wird zugrunde gelegt (aber nicht als Lektüre vorausgesetzt): F. Siegert/S. Bergler: Synopse der vorkanonischen Jesusüberlieferungen, Göttingen 2010. Bericht über diesen Forschungszweig: F. Siegert: "Die ‘vierte Suche’ nach dem historischen Jesus", Theologische Literaturzeitung 138, 2013, 525-536.

Alle Interessierten heißen wir herzlich willkommen in unsrer gut beheizbaren Kirche.

Mit freundlichen Grüßen

Prof. i. R. Dr. Anna-Katharina Szagun

 

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