Anselm Grün - Michael Grün, Zwei Seiten einer Medaille - Gott und die Quantenphysik, Buchempfehlung

Administrator (admin) on 04.09.2017

Vier-Türme-Verlag Münsterschwarzach 2015

Hier verwendet 4. Aufl. 2016 128 Seiten.

Im Juli 2017 traf ich mich mit einem Freund für vier Tage zum Wandern im Frankenland, und zwar an der Volkacher Mainschleife. Vor 70 Jahren waren wir beide in Wiesbaden die Anführer einer kleinen Gruppe christlicher Pfadfinder. Nun stiegen wir von Sommerach in die Weinberge hinauf, die sich auf der "Weininsel" erheben. Die hat sich ergeben, als man zur Begradigung des Mains einen Kanal baute und damit die weite Flußschleife in eine stille Auenlandschaft verwandelte. Von den Weinbergen südlich schauend erblickt man vier graue Türme, die zur Abtei Münsterschwarzach gehören. Dort lebt als einer der 80 Mönche Anselm Grün. Wir besuchten die Abtei und sahen im Buchladen eine lange Reihe von ihm verfaßter Bücher. Er wird dort vorgestellt als der bekannteste spirituelle Autor in Deutschland, der vielen Menschen, unabhängig von ihrer Konfession, ein Ratgeber und Wegbegleiter sei.

Sein Bruder Michael Grün war Mathematik- und Physiklehrer am Gymnasium. 2014 hielt er einen Vortrag über Physik und Religion. Er wurde danach gedrängt, den Text zu veröffentlichen. Sein Zögern überwand er, als Anselm Grün spontan bereit war, dasselbe Thema aus theologischer Sicht zu behandeln. So entstand das Buch der zwei Autoren.

 Nun also zunächst ein Kursus über Physik und Astronomie in Geschichte und Gegenwart, der hinführt zur Quantenphysik, die vor 100 Jahren aus Experimenten mit Licht entwickelt und dann durch mathematische Operationen erhärtet wurde. Sie öffnete die Augen für die Begrenztheit menschlichen Erkennens der Dinge an sich, für den Zusammenhang aller Teilchen und Wirkungen der atomaren Welt mit der nahen und fernen Umgebung, für die Verbundenheit des Menschen mit dem ganzen Kosmos. Erst gab es die Beobachtung des Verhaltens mikrophysikalischer Gebilde und die Erkenntnis, Energie und Licht könne nur in kleinsten, unteilbaren Paketen, "Quanten", übertragen werden - dann weitete sich die Sicht auf den kosmischen Zusammenhang alles Seins. Deshalb ist der Name "Quanten-physik" eigentlich zu eng. Hans-Peter Dürr sagt, richtiger wäre der Name "holistische Physik". Das griechische Wort to hólon bedeutet: die Gesamtheit, das ganze Wesen, das Weltganze, das Weltall.

Im Ergebnis sagt der Physiker Michael Grün: Die klassische Physik hatte uns übermütig gemacht, die moderne Physik lehrt uns die Demut und das Sich-Wundern. Sie hat die Jahrhunderte währende Gegnerschaft zwischen Religion und Physik beseitigt. Sie hat Raum geschaffen für die Vorstellung von Transzendenz, von Gott.

Aber sie kann selbst nichts über Gott aussagen, fügt der Theologe hinzu, sie kann Gott nicht beweisen. Anselm Grün wendet sich dagegen, die Erkenntnisse der Quantenphysik direkt auf die Theologie zu übertragen (S. 104 f.), wie es im Buch von Markolf N. Niemz "Bin ich, wenn ich nicht mehr bin?" geschehe, wenn nämlich das Leben nach dem Tod, das ewige Leben, wie die Theologie es nennt, in physikalischen Begriffen ausgedrückt wird. "Für mich geht hier das Geheimnis verloren".

Und damit kommt man im zweiten Teil des Buches zur Betrachtung, zur Meditation des Theologen und Mönches. Gern greift Anselm Grün die Idee der neuen Physik von der Einheit allen Seins auf und spricht vom Wirkungszusammenhang des menschlichen und des göttlichen Geistes. So könne man sich vorstellen, daß das Leben Jesu, das sich in einem verborgenen Winkel der Welt abgespielt hat, eine Wirkung auf die ganze Welt hat. Auch hier also eine holistische Sicht - die Welt als ein Ganzes in Verbundenheit über Raum und Zeit hinweg. Zur Erinnerung: Klaus-Peter Jörns sagt in seinem Buch "Update für den Glauben" (S. 101), den geistgeschaffenen Zusammenhang von allem mit allem könne man gut als Holismus bezeichnen.

Auf dieser Grundlage sagt Anselm Grün Neues über die Erlösung durch Jesus Christus, über die Weise, wie Gott uns erscheint, nämlich persönlich und überpersönlich, und über das Gebet: Es führt uns in den inneren Raum der Seele, in dem Gott in uns herrscht. Es verändert uns selbst. Es erzeugt in uns Hoffnung, auch für den Menschen, für den wir beten. Es läßt in uns die Sehnsucht nach dem Reich Gottes wachsen. Und dann kommt das Reich Gottes zu uns.

Wer mehr von diesem schmalen Buch (aber mit 6 Seiten Literaturhinweisen) erfahren will, der möge meine Zusammenstellung wörtlicher Zitate auf den folgenden Seiten lesen, oder / und das Buch erwerben.

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