Andacht

Administrator (admin) on 18.06.2013

Urike Fries-Wagner

Einstimmung auf den Tag, Schloss Fürstenried, 18.6.2013

* Lied: GL 666: All morgen ist ganz frisch und neu

Liebe Schwestern und Brüder,

ich möchte Sie heute mit dem Bild vom Paradies auf diesen Tag einstimmen.

Gott der Herr pflanzte einen Garten in Eden gegen Osten hin
Und setzte den Menschen hinein, den er gemacht hatte.
Und Gott der Herr ließ aufwachsen aus der Erde allerlei Bäume,
verlockend anzusehen und gut zu essen,
und den Baum des Lebens mitten im Garten
und den Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen.
Und es ging von Eden aus ein Strom,
den Garten zu bewässern,
und teilte sich von da in vier Hauptarme. (Gn. 2, 8-10)

Denn als ich das Programm für den heutigen Tag las, ist mir ein kleines Erlebnis eingefallen, das ich seither mit dem Begriff vom Paradies verbinde.

Im Frühjahr war ich mit Freunden in Italien unterwegs. Um die Mittagszeit machten wir uns auf die Suche nach einem schönen Picknickplatz. Am besten mit Schatten und in schöner Natur, vielleicht sogar an einem Bach. Es war ganzschön schwierig, eine passende Stelle zu finden. Da entdeckten wir einen Wegweiser mit der Aufschrift: „Isola ecologica“.
Eine ökologische Insel, das war doch genau das, was wir suchten.
Bestimmt war das ein kleines Naturschutzgebiet. Voller Vorfreude folgten wir dem Wegweiser, die Hauptstraße entlang, dann rechts ab, noch um ein paar Kurven –
Wir waren angekommen.
Die Verblüffung war allen ins Gesicht geschrieben, Sekunden später brachen wir in schallendes Gelächter aus. Wir waren auf dem Wertstoffhof.

Was steckt hinter den wohltönenden Begriffen?
Was verbirgt sich hinter den alten Überlieferungen?
Was bedeutet das Bild vom Garten Eden?
Wer das wissen möchte, muss den Wegweisern folgen, die sich in Archäologie, Kulturgeschichte, Religionsgeschichte, Theologie und vielen anderen Wissenschaften finden lassen.
Und er sollte den Mut haben, mit den Ergebnissen zu leben.
Denn neue Entdeckungen können den Abschied von Altem bedeuten.
Was bleibt nach der Entmythologisierung?
Eine Menge Müll?
Das ist sicher eine Frage der Perspektive.

Früher gab es noch keine Wertstoffhöfe, nur Müllplätze.
Und noch früher gab es Lumpensammler, die um den Wert der Dinge wussten, die andere wegwarfen.

Manchmal muss man Dinge von Ablagerungen befreien, die sich im Lauf der Zeit daran festgesetzt haben.
Dann stößt man wieder auf die Rohstoffe, die sie ursprünglich waren.
In einem neuen Kontext können zeitgemäße, neu heilsame Dinge daraus entstehen.

In seiner Schrift „über das Marionettentheater“ schreibt Heirich von Kleist:
„Das Paradies ist verriegelt und der Cherub hinter uns; wir müssen die Reise um die Welt machen, und sehen, ob es vielleicht von hinten irgendwo wieder offen ist.“

Eine Weltreise ist kein Spaziergang.
Die Gesellschaft für eine Glaubensreform hat sich viel vorgenommen.
Seit einem Jahr sind sie miteinander unterwegs und diese Tagung ist ein weiterer gemeinsamer Schritt.
Heute wird es noch um eine historisch-kritische Bibelübertragung für Kinder, um Evolutionstheologie und um ein Haus für die Weltreligionen gehen.

Ich wünsche Ihnen und uns allen gute Schritte auf dem gemeinsamen Weg, auf der Suche nach dem offenen Himmel und dem offenen Paradies.

Amen.

* Gebet

* Segen

* Lied: Meine Hoffnung und meine Freude 

 

Pfarrerin Ulrike Fries-Wagner, Weilheim

Back