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Aktuelles

Pfingstgottesdienst Apg. 2,1-8 mit Taufe und Abendmahl

19.06.2017
Aktuelles >>

17-06-04 Pfingsten feiern. Apg 2,1-8. Taufe und A’Mahl

Eingangsspiel J.Pachelbel - Toccata in D-Dur

Votum
Ich vertraue mich dem Grund und Ziel allen Lebens an.
Jesus aus Nazareth erweist sich mir mit seinem Weg, mit seinem Leben, Lehren und Sterben als lebendige Autorität.
Immer neu davon angerührt, weiss ich mich geborgen in unserer Wirklichkeit. Ja, so sei es.

Begrüssung
Guten Morgen liebe Menschen. Guten Morgen liebe Tauffamilien Kühne und Roth. Heute bringt Ihr Noane Kühne und Max Roth zur Taufe und ich freue mich, eure Kinder in unsere Gemeinschaft aufnehmen zu dürfen. Herzlich Willkommen ihr alle. Eine herzliche Begrüssung gilt auch euch, liebe Musiker, Agate Raatz und Marcin Fleszar, ihr werdet unser Gehör mit schönen Klängen berühren.
Wir wollen das Sinnliche und das Schöne feiern und am Schluss unserer Feier die Gaben des Lebens teilen: Brot und Wein und Wasser.
Wir wollen die Dynamik des Alltags unterbrechen und Innehalten und uns begeistern lassen durch Musik und Stille, Poesie und Verbundenheit.
Begeistern lasse ich mich hier in Muri immer wieder durch unsern Gesang.
Es ist eine wahre Freude! Ich hoffe, Sie steigen auch heute mit Begeisterung in unser Morgenlied 578 ein. Es ist ein Kanon. Wir singen ihn zuerst alle gemeinsam, danach steht es euch frei, einzusetzen nach Lust und Laune.

Lied 578

Gebet
Wir versuchen anzukommen, hier in diesem Raum, in der Gemeinschaft, in uns selbst. Gefühle und Gedanken nehmen uns in Beschlag. Gedanken der Freude, dass wir heute Kinder taufen können und sorgenvolle Gedanken über ihre Zukunft. Glücksgefühle über diese Feier mit Familie und Freunden und Gefühle der Trauer, weil wir einige Menschen so sehr vermissen, die wir gerne neben uns gehabt hätten.
Wir brauchen die Stille um bei uns anzukommen.
Stillwerden ermöglicht das bewusste Wahrnehmen von uns selbst, von unseren Mitmenschen.
Durch unser Atmen verbinden wir unser Inneres mit dem Äussern. Wir kehren in uns ein, in der Stille, abwechselnd mit dem

Lied 514.

Nach dem ersten Sitllemoment wird Marcin Fleszar auf der Orgel das Zeichen geben zum Einstimmen ins Lied 514. Nach dem zweiten Stillemoment singen wir die Strophe noch zwei Mal.
Wir werden still.

Lied 514

Pfingsten feiern, dazu gehört eine Geschichte, nein, besser eine Erzählung. Denn es handelt sich um eine fiktive Erzählung, eine Phantasie, wie alle grosse Geschichten fiktive Erzählungen sind. Die Erzählung von Pfingsten erzählt über Neubeginn. Nicht nur damals und dort. Über einen Neubeginn, der immer wieder gemacht werden muss, einem Neubeginn, nach dem die Welt schreit.
Damals, als diese Erzählung geschrieben wurde, lag Jerusalem in Schutt und Asche, platt gewalzt durch die Römer. Der Anblick den Jerusalem bot ist zu vergleichen mit dem Anblick von Aleppo heute. Und was macht man zum Überleben? Schutt und Asche räumen und neu beginnen, das Leben wieder lebbar machen.
Es ist ein äusserst zarter Neubeginn von Menschen, die einander Mut machen und in Bewegung kommen. Margrit Kneubühl liest aus der Apostelgeschichte 2, 1-8
Als der Tag des Pfingstfestes gekommen war, waren die Jünger alle beisammen an einem Ort.
Da entstand auf einmal vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daher fährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie sassen; es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich zerteilten, und auf jeden von ihnen liess eine sich nieder.
Und sie wurden alle erfüllt von heiligem Geist und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie der Geist es ihnen eingab.
Als jenes Tosen entstand, strömte eine Menschenmenge zusammen, und sie waren erstaunt, denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden. Sie waren fassungslos und sagten Wie kommt es, dass jeder von uns sie in seiner Sprache hört?

Zwischenspiel W.A.Mozart - Violinkonzert KV 219 - Adagio

Predigt
Haben Sie auch den Eindruck, dass jährlich immer wieder die gleichen Strasseninterviews gemacht werden, die in der Tagesschau gezeigt werden, mit der Frage: «Was bedeutet für Sie Pfingsten?»
Die Antworten sind ebenfalls jährlich ungefähr die gleichen und variieren von ‘ein freies Wochenende’ über ‘Stau vor dem Gotthard’ bis ‘ irgendetwas mit dem Heiligen Geist und Wind und Feuer’.
Warum diese Fragen jährlich wiederholt werden und wen die Antworten wirklich interessieren ist mir ein Rätsel.
Spielt da im Hintergrund versteckt ein Anliegen mit, aufzuzeigen, wie weit unsere Gesellschaft bereits säkularisiert ist?

Jedes Jahr besuche ich mit meiner Konfirmandenklasse die Wallfahrtskirche ‘Madonna del Sasso’ oberhalb Locarno. Seit Jahrhunderten pilgern die Gläubigen auf den Berg, wo gemäss Überlieferung 1480 die Jungfrau Maria erschienen ist. In einem der Eingangsportale befinden sich Tonskulpturen, die die Pfingsterzählung aus der Apostelgeschichte darstellen. Auf meine Frage, was die Darstellung wohl bedeuten könne, weiss im besten Fall nur eine Konfirmandin oder ein Konfirmand eine Antwort. Die in den Himmel starrenden Figuren mit den Flämmchen auf den Köpfen und die Taube an der Decke bedürfen deshalb jedes Jahr wieder einer Erklärung, und dies gilt nicht nur für die Konfirmanden.
Kürzlich fragte mich ein Gemeindemitglied: «Warum werden eigentlich in den christlichen Kirchen in so kurzer Zeit drei Feste gefeiert? Sind ihre Bedeutungen denn alle auch unterschiedlich?»,

Nein, liebe Menschen. Eigentlich feiern wir drei Mal das Gleiche. Nämlich: Neubeginn vom Leben, vom Leben hier, in dieser unserer Wirklichkeit!
Denn an Ostern kommen die Freunde Jesu zur Überzeugung: «dieser Jesus der nun tot ist und uns so viel bedeutet hat, der uns zum Leben geführt hat, der kann nicht ins Nichts verschwunden sein. Wir erleben ihn auch heute hier als lebendig aber auf eine neue Art».
Himmelfahrt ist die Metapher für den gleichen Mythos, dass Jesus nicht ins Nichts verschwunden ist. Er muss – bildlich gesprochen - wohl an den Ort gegangen sein, den man für den Ort des Göttlichen hielt, in den Himmel.
An Pfingsten wird über diesen Mythos reflektiert: was bedeutet das für uns? Die christliche Kirche feiert den Geistesblitz: Leben sollen wir! Wir sind zum Leben bestimmt hier und jetzt. Das ist unser einmaliges Geschenk, das Leben hier.
Wir können es auch säkular formulieren: was wir an Liebe, Eros, Musik und Kunst, Glück und Begeisterung erfahren dürfen, all das was uns lebendig macht, das fällt uns zu, das ist Geschenk.
Dass wir in der christlichen Tradition dreimal hintereinander ein Fest feiern und eigentlich das Gleiche feiern, hängt mit unserem Bedürfnis zusammen, zu festen und zu feiern.
Feste feiern wir eben dann, wenn wir das Leben feiern.
Das Tauffest von Max und Noane ist so eins, Geburtstagsfeste, Hochzeitsfeste, ja auch Weihnachts-, Oster-, und Pfingstfeste gehören dazu.
Solche Tage sollen gefeiert werden. Und das wollen wir auch heute tun.
Ich möchte aber nicht nur mit religiösen, sondern auch mit nichtreligiösen Menschen solche Feste feiern.
Wie erkläre ich nun, was Pfingsten ist?

Religiöse wie nichtreligiöse Menschen machen die gemeinsame Erfahrung, dass das, was uns lebendig macht, dass das, was uns erfüllt von Glück, dass das, was uns berührt, das, was mit Wahrheit und Sinn zu tun hat, dass das, was wir eine transzendente, mystische Erfahrung nennen, dass dàs uns zum Leben führt.
Da wird Energie spürbar, da ist etwas, das in uns Bewegung bringt.
Die biblische Pfingstgeschichte erzählt, dass diese Erfahrungen universell sind und nicht nur christlich Glaubenden vorbehalten.
Alle Menschen haben Teil an diesem Geist heisst es in der biblischen Sprache. «Und sie wurden alle erfüllt von heiligem Geist und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie der Geist es ihnen eingab».
Alle können die Erfahrung des Berührt-werdens machen. Das ist die Bedeutung vom Bild, von der Metapher, dass die Jünger in allen Sprachen redeten.
Darum ist es höchste Zeit, unsere Feste auch in einer nicht-religiösen Sprache zu feiern, wir sollten, wir dürfen uns nicht abgrenzen.
Denn, die Zeit, wo man davon ausgegangen ist, dass eine säkulare Zeit bevorstehe und die Bedeutung der Religion ausserhalb der Kirche verschwinde, die Zeit ist vorbei.
In den Zeitungen und in anderen Medien wird so viel über Religion und Spiritualität gesprochen wie nie zuvor.
Das Interesse an Religion ist nicht vorbei, im Gegenteil. Vorbei hingegen ist das Interesse an der kirchlichen Lehre, an ihrer Sprache, an Dogmen und an nicht nachvollziehbaren Glaubenssätzen.
Wir gehen meines Erachtens auf eine post-säkularen Gesellschaft zu. Damit meine ich, dass wir in einer Zeit ankommen werden, in der Vorstellungen aus anderen Religionen, wie auch nichtreligiöse Haltungen mit christlichem Gedankengut fröhlich und frei gemixt werden können. Sprachen und Metaphern werden zunehmend nicht mehr streng unterschieden. Da liegt eine grosse Chance für gegenseitiges Verständnis.
Die religiösen Menschen sind jetzt gefordert, sie müssen neue Worte suchen, um in einer nichtreligiösen Sprache über ihre Glaubensinhalte zu reden. Das wird heute noch viel zu wenig gemacht, darum sind die Gräben zwischen der säkularen Gesellschaft und den religiösen Gemeinschaften immer noch zu gross.

Heute, gerade an Pfingsten, möchte ich diesen Neubeginn machen, nicht nur im Wort, sondern auch in der Form in der wir Abendmahl feiern’.
Wie geben wir nun Form und Sprache an diesen Geistesblitz von Pfingsten, wo es in allem eigentlich immer ums Leben geht, um Neubeginn und Lebensenergie?

In den Lokalnachrichten habe ich versucht, Pfingsten für die Leserschaft, also für religiöse und nichtreligiöse Menschen zu beschreiben. Im Kinderbuch ‘Frau Meier, die Amsel’ von Wolf Erlbruch habe ich ein wunderschönes Beispiel gefunden, eine Metapher für Pfingsten, so wie ich sie verstehe.
Frau Meier macht sich über alles Mögliche Sorgen, banale Alltagssorgen: ob der Knopf an ihrem Mantel noch hält, oder grössere Sorgen: ob nicht plötzlich ein Flugzeug auf ihren Garten abstürzen könnte. Immer mehr wird sie von einem sorgenvollen, sie lähmenden Dunkel eingehüllt.
Doch als sie eines Morgens in ihrem Garten eine junge, aus dem Nest gefallene Amsel findet, weitet sich ihr Herz.
Sie vergisst ihre Sörgeli und Sorgen und geht auf in der Fürsorge für das kleine Wesen. Die Erfahrung des Glücks, die Berührung mit dem verletzlichen Wesen verscheucht ihre Verzagtheit und befreit sie aus ihrer angstvollen Lethargie.
Sie, die immer damit beschäftigt ist, die Folgen eventueller Katastrophen im Voraus zu erfassen und einzudämmen, wird tief berührt, sie lässt die Sorgen los und kommt fantasievoll und voller Energie in Bewegung. Die Liebe zur Amsel lässt ihr Flügel wachsen. Sie spürt den Luftstrom des Windes, schaut in die Weite, atmet tief ein und wird von einem sonderbaren Gefühl durchströmt. Sie hebt die Arme, rutscht vom Ast und fliegt!
Die kleine Amsel hat Bewegung in sie gebracht.
Frau Meier spürt das Leben neu in sich und kommt fantasievoll in Bewegung. Frau Meier hebt ab.

Hat das etwas mit Pfingsten zu tun?
Ja ! Es ist die Erfahrung, dass wir angesprochen, dass wir berührt werden und neu zu leben beginnen.
Es ist die Erfahrung, dass wir durch Beziehung in Bewegung kommen.
«Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen, er will uns Stuf’ um Stufe heben, weiten», schrieb Hermann Hesse 1941 in seinem Gedicht ‘Stufen’, das ursprünglich den Titel »transzendieren» trug.
Für dieses Gefühl haben wir nie eine Sprache gelernt. Die Erfahrung vom Unendlichen, vom Weiten vom ‘Heiligen’ braucht neue Worte. Worte, die den Menschen ein Gespür für die Tiefe des Lebens vermitteln. Es geht weder um Wissen und kognitive Fähigkeiten, noch um Moral, sondern es geht um «den Geschmack für das Heilige».
So hat es der Philosoph und Theologe Friedrich Schleiermacher im 19. Jahrhundert formuliert.
Ich will versuchen diesen ‘Geschmack für das Heilige’ in eine ganz normale, alltägliche Sprache zu übersetzen.
Das ganz andere, das Heilige ist hier in dieser Wirklichkeit.
Wir leben hier, wir sind hier und erkennen, dass das alles ist. Mehr gibt es nicht.

Wir Menschen, religiöse sowie nichtreligiöse, befinden uns in einer Wirklichkeit, die wir nie vollständig erklären und begreifen können.
Diese Wirklichkeit spricht mich an, sie nimmt mich in Beschlag. Ich sage ‘Ja’ zu dieser Wirklichkeit und trete zu ihr in Beziehung.
Ich reagiere auf sie: ich streichle Noane und Max über ihr Köpfchen, ich rieche die wilden Blumen, schmecke das frisch gebackene Brot, höre die Musik von Agata und Marcin, und ich sehe euch alle, die mit mir die gleiche Wirklichkeit gleich oder auch anders erleben.
Es sind alles Sinneserfahrungen und darin wird das Gewöhnliche besonders.
Es ist schwierig zu erklären.
Es hat zu tun mit einem anderen Bewusst-sein, ein Bewusstsein für das ganz andere, das in unserer Wirklichkeit hier vorhanden ist.
Nicht immer ist dieses Bewusstsein aktiv, dann lebe ich im Modus des Automatismus, dann bin ich als Sehende blind und als Hörende taub.
Manchmal aber, so wie heute, und vielleicht auch morgen, ja, sogar noch mehr als heute, dann kann es geschehen, dass ich – oder du, oder er - jemanden sehe, etwas rieche, höre, schmecke oder spüre. Dann habe ich nicht nur eine intensive sinnliche Erfahrung bei etwas Gewöhnlichem, sondern ich erfahre auch, wie besonders, wie wunderbar, oder aber auch wie furchtbar, wie schrecklich etwas sein kann.
Ich sage nicht nur ‘Ja’ zum mir behagenden Teil der Wirklichkeit, sondern auch zu seiner schweigenden bedrückenden Kehrseite.
Das ist meine Haltung. Das ist meine Attitude.
Es ist mein Vertrauen ins Leben, meine Akzeptanz, nicht immer zustimmend, sondern auch anfechtend, denn auch Widerstand und Protest sind nötig.

Diese Haltung ist das andere Bewusstsein, das Bewusst-sein an sich.
Ich bin mir bewusst und tue mich auf für das Licht, das ich sehe, wenn ich erwache, für das Wasser aus dem Hahn, für die Kleider im Schaft, für das Brot auf dem Frühstücksteller, für den Stau unterwegs, für die Kollegen auf der Arbeit. An solchen Tagen, in solchen Momenten erfahre ich das Besondere in allem. Nichts ist selbstverständlich, nichts ist beherrschbar, alles wird speziell, apart, heilig. Heilig bedeutet nämlich apart, abgesondert.
Das alltägliche Leben bekommt eine spirituelle Dimension, zugänglich für alle, die sich auftun, für religiöse genauso wie für nichtreligiöse Menschen. Das bedeutet Pfingsten für mich.

Es gibt nur diese Wirklichkeit in ihrer enormen Tiefe, sie trägt uns. Zu dieser sage ich ‘Ja’, sie ist es, die mir den Boden, den Halt gibt. Mit dieser kann ich- wenn sie gut ist - einstimmen oder ich kann mich – wenn sie schlecht ist - dagegen wehren. Es gibt keinen anderen Halt als in Beziehung zu dieser Wirklichkeit zu stehen, in Beziehung zu allem, was sich mir hier zeigt.

In einer kleinen Gesprächsgruppe haben wir über das Teilen von den Lebensgaben am Schluss dieser Feier nachgedacht. Welche Sinne werden angesprochen? Wir riechen das Brot, den herrlichen Sonntagszopf, weil es festlich sein soll. Wir schmecken den Geschmack vom Wein und vom Wasser. Wir schauen einander in die Augen und hören gute Worte, die wir einander zusagen.
Ich spüre vielleicht eine Hand auf meine Schulter, einen Kuss auf meine Backe, oder sonst eine Geste, die mich berührt.
Diese Sinneserfahrungen wollen wir miteinander teilen, uns bewusst – sein, wie wir in der Beziehung zur Wirklichkeit Halt finden.
Das wollen wir feiern und deshalb haben wir für das, was mit dem herkömmlichen Begriff ‘Abendmahl’ heisst, eine andere Form gewählt. Eine Form, die religiöse, wie auch nichtreligiöse Menschen ansprechen könnte. Wir möchten im Teilen, im Zusammen Essen und Trinken den Geschmack für das Unendliche erfahren.
Ich sehe Jesus als einen, der von diesem Geschmack durchdrungen war, berührt durch und bewusst für das Leben hier. Ich denke, dass er uns vorgelebt hat, sich nicht von der Wirklichkeit hier abzuwenden.

Liebe Taufeltern Roth und Kühne, ihr seid hierher-gekommen um Max und um Noane taufen zu lassen. Es ist mein Wunsch, dass ihr heute diesen Geschmack für das Unendliche in der Taufe eurer Kinder erfahren werdet.
Nichts ist selbstverständlich, Ihr als junge Eltern seid noch ganz nah bei der berührenden Erfahrung des Geschenks dieses jungen Lebens. Ich wünsche euch, dass Ihr euch durch diese berührende Erfahrung getragen wisst in dieser Wirklichkeit.
Liebe Paten, ihr werdet jetzt die Kinder nach vorne in unsere Mitte holen. Ihr seid die Wegbegleiter, auch ihr habt die wunderschöne Aufgabe, ihnen das Gespür für die Tiefen des Lebens zu vermitteln, ihnen Halt zu geben.
Und wir, liebe Menschen, wir haben das Glück und dürfen Noane und Max bei uns begrüssen. Amen

Zwischenspiel W.A.Mozart - Violinkonzert KV 219 - Adagio

Taufansprache
Liebe Jacqueline und Lukas, liebe Romy und Frank, ihr wollt, unterstützt von den Paten eurer Kinder, Noane und Max je auf ihrem Weg begleiten, sie sehen lehren, hören, spüren schmecken und riechen und sie so die Tiefe des Lebens erfahren lassen.
Noane und Max werden die Welt auf ihre eigene Weise begreifen und deuten.
Mit den Sprüchen, die ihr für eure Kinder gewählt habt, wollt ihr ihnen das Vertrauen ins Leben stärken.
Ihr, Jacqueline und Lukas wünscht eure Tochter Mut und Kraft, Besonnenheit und Liebe, damit sie offen auf das Leben zugehen wird.

Und euch, Romy und Frank, ist die Wegbegleitung für Max wichtig, die so sei – wie ein Engel der vorausgeht – und die er erfahren darf in der Zuwendung von euch, seinen Eltern, von Sophie, seiner Schwester, von seinen Grosseltern, von seiner Gotte Jela und seinem Götti Lothar. Und uns als Gemeinschaft, in der er getauft wird.

Mit dem Wasser, das Noane und Max auf ihrer Stirne spüren werden, zeigen wir, wie wir alle aufeinander angewiesen sind, da wir die immer sprudelnde Quelle der Lebenskraft miteinander teilen.
Die Taufkerze ist das Symbol für das Licht, das sie durch euch, liebe Familie, und durch die Paten Jeanine, Carmen und Clemenz, Jela und Lothar sehen dürfen. Ihr seid ihnen das Licht, damit sie später selber Licht für die Welt werden.
Götti Clemenz und Götti Lothar werden jetzt die Taufkerze an der Osterkerze anzünden.
Ich bitte euch, liebe Tauffamilien jetzt zum Taufstein zu kommen.

Anzünden Taufkerze

Noane Joséphine
Ich taufe dich auf den Namen Gottes
auf den Namen Jesu Christi
auf den Namen des Heiligen Geistes.
Amen
Dir, Noane, ist nicht ein Geist der Mutlosigkeit gegeben, sondern der Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. 2. Timotheus 1,7

 

Max Florian
Ich taufe dich auf den Namen Gottes
auf den Namen Jesu Christi
auf den Namen des Heiligen Geistes.
Amen
«Gott spricht: Ich werde einen Engel schicken, der dir vorausgeht. Er soll dich auf dem Weg schützen und dich an den Ort bringen, den ich bestimmt habe». (Exodus 23,20)
Tauflied: Aus Glut und Erz
Gebet
Noane, du kannst der erste Ton in einem Lied sein,
dass über alle Grenzen hinweg erklingt
fürchte dich nicht
auch wenn der Ton ein Hauch ist, fürchte dich nicht.
Max, du kannst der erste Funke zu einem Feuer sein
das alle Waffen für die Pflüge schmilzt.
Fürchte dich nicht,
auch wenn der Gegenwind peitscht,
fürchte dich nicht.
Und wir, wir können die ersten Körner in einem Felde sein
das alle Hände füllen wird mit Brot.
fürchtet euch nicht
auch wenn der Acker Steine trägt, fürchtet euch nicht.
Wir können die ersten Tropfen für eine Quelle sein
die in der Wüste Liebeslieder singt,
fürchtet euch nicht.
auch wenn die Wolke noch schweigt, fürchtet euch nicht.
Begabt mit Liebe, bedacht mit Sprache, betraut mit Verantwortung denken wir an die, die trauern.
Lasst uns wahrhaft Gemeinschaft sein, Gutes tun und das Dunkel lichten.
So denken wir an die Angehörige von
(...)
bis sich vollendet, was wir versuchen,
bis sich erfüllt, was wir erhoffen,
bis Leid sich beruhigt.
Amen

Thomas Hottiger (Einführung in das Abendmahl)

Wir werden nun bald den Pfingstgeist feiern, indem wir miteinander im Mahl der Gemeinschaft Brot und Wasser und Wein teilen.
Woher kommt das Brot? Der verstorbene Zürcher Botanikprofessor Philippe Matile, ein wunderbarer Mensch und Lehrer, hat in seinen Vorlesungen gelegentlich ein Experiment beschrieben, das auf diese Frage eine unerwartete Antwort gibt:
Um herauszufinden, wie Pflanzen wachsen setzte ein Arzt im Mittelalter in einen Topf mit 200 Pfund trockener Erde einen kleinen Weidensteckling. Aus dem Steckling wuchs ein grosser Weidenstrauch. Als der Arzt den Strauch wog, war er 170 Pfund schwer. Die Erde im Topf aber war immer noch fast gleich schwer wie am Anfang. Die Weide schien nichts gegessen zu haben.
Wie ist das zu erklären? Pflanzen sind viel ätherischere Wesen, als wir gemeinhin denken. Sie ernähren sich fast nur von Wasser und Luft. Brot kommt also sozusagen vom Himmel, es entsteht aus Regen und Wind. Ein Kornfeld und das Brot, das daraus entsteht, sind ganz wunderbar verwandeltes Wasser und verwandelte Luft.
Das Brot, als verwandeltes Wasser und verwandelte Luft, ist auch ein Symbol für das Pfingstwunder. Am Anfang der Bibel heisst es über die Welt:
Und die Erde war wüst und leer und der Geist Gottes schwebte über den Wassern. Geist lässt sich auch mit Hauch oder Atem übersetzen.
Ganz am Anfang waren nach dieser Vorstellung also das Wasser und der Atem Gottes. Der Atem Gottes setzte die Schöpfung in Bewegung und schuf Ordnung im Chaos. Pfingsten ist das Fest, in welchem wir spüren sollen, dass dieser Atem weiter weht und uns täglich berührt. Im Brot als verwandeltes Wasser und verwandelter Lufthauch werden das Wasser und der Schöpferatem des Weltanfangs für uns greifbar. Weil Wasser und Schöpferatem uns allen gelten, dürfen wir heute, wenn wir nachher miteinander das Gemeinschaftsmahl feiern, alle selber Brot und Wasser nehmen und anderen weitergeben. Wie müssen nicht mehr auf Gnade warten – sie ist schon da. Wir können uns das Freudenmahl schenken lassen, wenn uns danach zumute ist – wir dürfen es aber ganz im Geiste von Pfingsten auch selber anderen schenken.
Kurt Marti hat zu Pfingsten gesagt:
Mein Atem geht – was will er sagen?
Vielleicht: Schau! Hör! Riech!
Schmeck! Greif! Lebe!
Vielleicht: Gott atmet in dir mehr als du selbst.
Und auch:
In allen Menschen, Tieren, Pflanzen atmet er wie in dir.
Und so:
Freude den Sinnen! Lust den Geschöpfen! Friede den Seelen!
Kurt Marti (geb. 1921), Der Heilige Geist ist keine Zimmerlinde, Stuttgart 2000

Lied 534, 1-5

Mitteilungen
Dank: (...)
Anschliessend teilen wir die Gaben der Erde. Jesus heisst uns, sie zu teilen. Sein Traum war Liebe, Weite und Wagnis. Das Beisammensein, das Brot, das Wasser und der Wein erzählen uns davon. Die Lebenskraft soll uns beseelen und begeistern.
Nach dem Segen singen wir das Lied 334 Dona nobis Pacem. Marcin Fleszar begleitet uns auf der Orgel. Einmal singen wir es gemeinsam, danach könnt ihr in den Kanon einsteigen. Singend verteilen wir uns zu den Tischen.
Da teilen wir das Brot, das Wasser und den Wein, soviel wir wollen. Seid nicht schüchtern, empfangt Brot und Worte, gebt Wein und Zuwendung. Wie Sie es machen, machen Sie es richtig.
So gehen wir aufeinander zu, neu ins Leben mit den kraftvollen Worten von Kurt Marti:
Schau! Hör! Riech!
Schmeck! Greif! Lebe!
Freude den Sinnen!
Lust den Geschöpfen!
Friede den Seelen! Amen

Lied Dona nobis Pacem. Menschen verteilen sich singend zum Apero

Abendmahl Scarlatti Sonata in C-dur, Telemann - Kleine Fantaisien, J.S.Bach- Französische Suite No.3

Votum und Begrüssung

Lied 578

Gebet mit Lied 514

Lesung

Musik

Predigt

Musik

Taufe

Tauflied (kopie)

Gebet mit Abkündigungen.

Kurze Einführung in das ‘Abendmahlapero’ T.H.

Lied 534

Mitteilungen

Segen

334 Dona nobis Pacem singend und sich in die Kirche verteilen

Abendmahl/Apero
 

Zuletzt geändert am: 19.06.2017 um 16:32

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| Seite zuletzt geändert am: 04.09.2017, 19:30 von Administrator |