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Osterpredigt 2016 zu 1. Kor. 15, 1-9

26.07.2016
Aktuelles >>

Predigt über 1. Kor. 15, 1 – 9 von Pfarrer Klaus Vesting
am 27. 03. 2016 (Ostersonntag)

Liebe Gemeinde!

„Das Christentum steht und fällt mit der Wirklichkeit der Auferstehung Jesu von den Toten durch Gott“ - schreibt Jürgen Moltmann, einer der bekanntesten Theologen des 20. Jhd. Hat er Recht? Ist die Wirklichkeit der Auferstehung Jesu der zentrale Punkt des Christentums? Aber was genau meint: Wirklichkeit der Auferstehung? Ist damit eine historische Faktizität gemeint: Jesus ist wirklich, leibhaftig, dem Grab entstiegen – was aber nur neue Fragen aufwirft: Wo war er dann, wie war er, körperlich oder geistig, wie lange war er denn und wohin ging er danach? Oder ist mit Wirklichkeit der Auferstehung kein historisches Faktum sondern ein individuelles oder kollektives Erleben gemeint? Menschen haben wirklich angenommen, dem Auferstandenen begegnet zu sein. Paulus nennt ja eine Reihe, beginnend mit Petrus und endend mit sich selber. Auch das wirft Fragen auf, nicht nur, ob solche Erscheinungen reale oder psychische Vorgänge gewesen sind, sondern auch wo, wann und wie lange sie geschehen sind, in Jerusalem oder Galiläa, am dritten Tag oder einige Zeit später. Und wie erklärt sich, dass einerseits Himmelfahrt das Ende von 40 Tagen Erscheinungen bedeutet, andererseits Paulus etwa 3 Jahre später seine Jesus-Erscheinung hatte, ohne dass es dann noch weitere gegeben hätte. Trotzdem muss Paulus etwas widerfahren sein, sonst hätte sich sein Leben nicht komplett umgekrempelt.
„Das Christentum steht und fällt mit der Wirklichkeit der Auferweckung Jesu von den Toten durch Gott.“ Paulus sieht es genauso. Einige Verse nach unserem Text schreibt er: „Ist aber Christus nicht auferweckt worden, dann ist euer Glaube nichtig, dann seid ihr noch in euren Sünden.“ Auferstehung ist nötig um die Sünden hinweg zu nehmen – da wundert sich nun allerdings der aufmerksame Leser. Aber haben wir nicht eben gerade gelesen, dass Christus gestorben ist für unsere Sünden? Es ist ja das, was Paulus und andere Autoren des NT als Evangelium verstehen: Christus ist gestorben für unsere Sünden. Die ganze Sühneopfertheologie ist darauf aufgebaut. Christus musste sterben zur Sühne für unsere Schuld. Und geschehen ist das gemäß der Schrift, also lange geplant und angesagt.
Aber wenn sein Tod das Opfer war, dass gebracht werden musste, wieso muss er dann auch noch auferstehen? Und das ebenfalls zur Tilgung unserer Sünden? Warum ist für Paulus neben dem Kreuz nun auch noch die Auferstehung das Zentrum des Evangeliums mit dem alles steht und fällt? Ich vermute, es hängt mit seiner Vorstellung zusammen, dass der Tod der Sünde Sold ist, der Tod durch die Sünde kommt. Jetzt nimmt der Opfertod Jesu die Sünde weg, aber der Tod hört nicht auf. Die ersten Christen sind schon gestorben. Paulus rechnet ja damit, dass Christus bald wiederkommt, aber was wird dann mit denen, die schon gestorben sind und die Wiederkunft nicht mehr erleben? Sie stehen zuvor aus ihren Gräbern auf. Und möglich wird das, weil Christus, damals, auch auferstanden ist. Eigentlich sind die Gestorbenen ja selber schuld, weil sie wieder gesündigt haben, z. B. indem sie sich das Abendmahl zum Gericht getrunken haben. Im 11. Kapitel stellt Paulus diesen perfiden Zusammenhang zwischen unwürdigem Genuss des Abendmahls und Tod und Gebrechlichkeit her. Aber nichtsdestotrotz, auch die schon Gestorbenen haben eine Chance wegen der Auferstehung Jesu. Weil er auferstanden ist, werden auch sie auferstehen vor der Verwandlung und Entrückung in den Himmel. Wer die Auferstehung Jesu also leugnet, leugnet das Heil für die Toten.
Auch die Auferstehung Jesu wird deshalb mit der Schrift begründet, weil sie, wie der Sühnetod Jesu dem Sünder Heil eröffnet.
Die Wirklichkeit der Auferstehung Jesu ist für Paulus innerhalb seiner Theologie heilsnotwendig, weil es für ihn die Garantie der Auferstehung der Toten ist. Auch Paulus selbst gehörte bald zu diesen Toten. Und es wurden immer mehr, je länger sich die Wiederkunft Christi verzögerte. Die Kirche blieb deshalb bei der Lehre des Paulus, dass nur durch die Auferstehung Jesu von den Toten die Auferstehung der in Christus Entschlafenen möglich ist. Was nach der Auferstehung geschieht, bleibt im Nebel, schon bei Paulus. Im 1. Thessalonicherbrief schreibt er von einer Entrückung in den Himmel, im 1. Korintherbrief schreibt er nur von Verwandlung in Unsterblichkeit.
Über den Tod und das Danach haben Menschen ja schon seit Jahrhunderten nachgedacht. Nicht immer erscheint logisch, was sie sich vorstellten. Für die Ägypter war der Erhalt des Körpers notwendig, deswegen balsamierte man ihn ein. Aber wenn man die Mumien betrachtet, wer möchte schon dermaleinst in einem solchen Körper leben?
Welche Vorstellungen stehen aber hinter dem Mitgeben von Nahrung und Gegenständen in die Gräber? Eine Seele, die sich auf die letzte Reise macht, braucht keine materiellen Dinge mehr, und der Körper macht sich nicht auf die Reise. Auch Jahrhunderte später lag er noch in seinem Grab und all die mitgegebenen Gegenstände unnütz um ihn herum.
Jüdische Gräber – wie auch muslimische – bleiben für die Ewigkeit. Wenn der Messias kommt, formen sich die Knochen wieder zu Leibern, da muss schon Ordnung herrschen in den Gräbern, damit dann nicht alles drunter und drüber geht.
Und radikale Muslime glauben, wer im Dschihad umkommt, der geht direkt ins Paradies ein, ein Ort voll ewiger Genüsse. So steht es ja im Koran, und deshalb stimmt es auch. Skepsis wäre eine Freveltat gegen Allah.
Auch im Christentum gibt es viele, die Zweifel für Gotteslästerung halten. Aber es gibt seit der Aufklärung auch eine Tradition, die kritisch nachfragt, die Vernunft nicht ausschaltet und Frömmigkeit nicht mit naiver Allesgläubigkeit verwechselt.
Die Tradition hat sogar Jesus hinter sich, der sich auch kritisch mit dem Gottesbild und der religiösen Gesetzlichkeit seiner Zeit auseinander setzte und die Liebe in den Mittelpunkt stellte, wo bisher die strikte Beachtung des Gesetzes stand.
Er ist damit denen in die Quere gekommen, die vom Zorn Gottes und seiner Besänftigung durch Opfer lebten. Denn wo ein Gott verkündet wird, der liebt und zur Liebe ermutigt, da werden Opfer und religiöse Regeln und deren Handlanger überflüssig.
Das hat Jesus das Leben gekostet, nicht irgendein Opferplan Gottes.
Jesus starb am Kreuz, weil es die Priesterkaste geschafft hatte, Jesus bei den Römern als Aufrührer zu denunzieren.
Und dann, was passierte dann? Was passierte mit dem toten Jesus und was mit den lebenden Jüngern?
Den lebenden Jüngern und Jüngerinnen geschah Unglaubliches. Was bei Paulus eine nüchterne Aufzählung ist: „erschien dem Kefas, dann den Zwölfen, danach 500 Brüdern auf einmal, von denen die meisten noch leben, danach dem Jakobus, dann allen Aposteln, zuletzt auch mir.“ - muss ein Beben gewesen sein. Zunächst, nach Jesu Tod, kehren wohl die meisten seiner Anhänger nach Galiläa zurück, voll Traurigkeit, vielleicht auch ein bisschen enttäuscht, weil sie sich alles anders vorgestellt hatten, vielleicht aber auch beseelt von dem Willen, nicht zu vergessen, was sie mit Jesus erlebt und durch ihn erfahren haben. Sie kehrten in ihren Alltag zurück, nahmen ihre alten Berufe wieder auf. Irgendwann – sicher nicht allzulange nach Jesu Tod – hatte Petrus ein Widerfahrnis mit Jesus – eine Vision, eine Erfahrung, ein Erlebnis, was auch immer. Die Kunde verbreitete sich blitzartig. Die Jesusbewegung belebte sich neu. Manche kehrten nach Jerusalem zurück. Die Petrus-Kunde wirkte ansteckend und zog immer weitere Kreise.
500 auf einmal, sollen es sogar auch mal gewesen sein. Kein Wunder, dass auch Jesu leibliche Brüder mitgerissen wurden. Zu Lebzeiten Jesu waren sie ja eher distanziert, nun aber wird mindestens einer, Jacobus, Empfänger einer Vision.
Paulus führt sie alle auf, denn sie beweisen ihm, dass Jesus tatsächlich auferweckt wurde. Am leeren Grab hat Paulus kein Interesse, es kann ja aus den unterschiedlichen Gründen leer sein. Aber ein Jesus, der erscheint und sich als Lebendiger zeigt, das ist ihm wichtig.
Die Evangelien dagegen wollen auch erzählen, was mit dem toten Jesus geschah. Er wurde begraben, von Josef v. Arimathia, mal ist noch Nikodemus dabei. Johannes erzählt von einer Salbung vor der Grablege, andere von Frauen, die am dritten Tag zur Salbung kommen, mal sind es zwei, mal mehr Frauen, mal ist der Stein weggewälzt, mal wird er gerade weggewälzt. Mal sind ein oder zwei Engel im Grab oder auch vor dem Grab. Mal ist nur Maria Magdalena ohne Salbtöpfe am Grab. Und immer ist das Grab leer. Mal sollen die Jünger nach Galiläa kommen, dort würden sie den Auferstandenen sehen, Lukas weiß davon nichts und erzählt von Erscheinungen in Jerusalem. Mal geht der erschienene Jesus wie ein Geist durch Wände und geschlossene Türen, mal lässt er sich berühren und isst Brot und Fisch, was Geister erklärtermaßen ja nicht können.
Nicht immer wird der Erschienene gleich erkannt. Maria Magdalena hält ihn für den Gärtner, die Emmausjünger gehen stundenlang mit ihm wie mit einem Fremden und am See Tiberias sind die Jünger ratlos als sie vom Fang zurückkehren und am Ufer jemanden sehen, der Fisch auf einem Feuer brät. Ist das der Herr?, es bleibt in der Schwebe, und doch auch wieder nicht.
Ein Theologe schrieb einmal, die Auferstehung Jesu wäre das am besten bezeugte antike Ereignis, denn 500 hätten ihn gesehen. Na ja, welcher Korinther hätte die Möglichkeit gehabt, nach Jerusalem zu gehen, nach den 500 zu forschen und dann zu befragen? Nein, die Auferstehung ist schlecht bezeugt, mit vielen widersprüchlichen Zeugen-aussagen.
Für Paulus ist sie zudem, wie wir gesehen haben, aus theologischen Gründen notwendig, weil er die Auferstehung Jesu braucht für die Auferstehung der schon gestorbenen Gemeindeglieder. Und die müssen auferstehen können, weil sie sonst keine Möglichkeit hätten, bei der Wiederkunft Christi mit entrückt zu werden. Nicht gerade ein über-zeugendes Argument, zumal es ja um ein Heil jenseits des Lebens geht.
Da bieten dann die Evangelien doch ein bisschen mehr als dürre Argumentation. Sie haben zwar auch keine Beweise für die Auferstehung, aber sie haben kräftige Geschichten vom Leben. Zwei Männer fliehen traurig nach Emmaus; da widerfährt ihnen Jesus und sie werden froh und kehren ermutigt nach Jerusalem zurück. Da werden die Jünger nach Galiläa geschickt, weil ihnen dort der Auferstandene begegnen soll, das will sagen: Jesus trifft uns in unserem Alltag, in unserer normalen Lebenswelt. Zu verängstigten Menschen kommt Jesus und sagt: Friede sei mit euch, ihr sollt und könnt meine Boten sein. Das sind alles Geschichten, die im Leben spielen. Genau darum geht es in der Auferstehung. Es geht um das Leben hier und jetzt. Darum ging es Jesus, um ein Leben für alle, um erfülltes Leben. Deshalb erzählte er von Gott dem Vater, der zugleich der Schöpfer ist, das Leben geschaffen hat und dem deshalb das Leben kostbar ist. Auferstehung - das ist: die Geschichte vom Leben erzählen; Geschichten, in denen Leid und Tod überwunden werden; Geschichten, in denen sich das Leben als Sieger erweist.
Muss ich an die Auferstehung glauben? Nein, muss ich nicht, aber ich darf an das Leben glauben. Ostern ist das Fest des Lebens, das von Gott geschenkte, begnadete Leben. In seiner oft etwas schwierigen Argumentation hat Paulus auch immer wieder richtig schöne Sätze: „Durch Gottes Gnade bin ich was ich bin – schreibt er zwar von sich, aber jeder ist von Gott begnadet zum Leben, und berufen, für das Leben zu wirken. „Und seine Gnade an mir“ schreibt Paulus weiter „ist nicht ohne Wirkung geblieben“. Menschen, die vom Geist des Lebens angesteckt sind, die tragen diesen Geist des Lebens auch weiter. Auferstehung meint, sich für das Leben auf den Weg machen.
Es ist wenig sinnvoll, zurück zu schauen und nach Beweisen für die Auferstehung zu suchen; die werden wir sowieso nicht finden. Viel wichtiger ist es, auf die Botschaft Jesu zu schauen; sie ist das eigentliche Evangelium vom Leben. Jesu Worte trösten, ermutigen, spornen an. Sie wehren dem Hass, lieben das Leben und suchen den Frieden.
„Das Christentum steht und fällt mit der Wirklichkeit der Auferstehung Jesu von den Toten durch Gott“ - sagt die Theologie. Das Christentum steht und fällt mit dem Evangelium: „Der Geist ist es, der lebendig macht, das Fleisch vermag nichts. Die Worte, die ich zu euch geredet habe, sind Geist und sind Leben“ - sagt Jesus. Dem glaube ich gern, auch über den Tod hinaus.

Amen
 

Zuletzt geändert am: 26.07.2016 um 10:26

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| Seite zuletzt geändert am: 10.12.2017, 19:13 von Administrator |