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Karfreitagspredigt in der Pauluskirche Dortmund

03.04.2018
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Liebe Gemeinde,


der Predigttext für heute, aus dem 1. Kapitel des Kolosserbriefes, deutet das Karfreitagsgeschehen auf ganz eigene, besondere Weise. Sehr philosophisch, könnte man fast sagen. Aber durchaus spannend!
Bevor ich Ihnen diesen Text lese (der steht diesmal fast am Ende der Predigt), möchte ich Ihnen eine Überzeugung mitteilen, die mir sehr wichtig geworden ist, weil sie mit dem Zentrum von Karfreitag und Ostern zu tun hat, aber scheinbar immer noch nicht konsensfähig ist in unserer Kirche. Ich werde diese grundlegende persönliche Überzeugung von mir mit dem Predigttext gleich verbinden. Ich formuliere sie erst mal in negativer Weise. Lassen Sie sich davon nicht erschrecken! Wenn Sie irritiert sind, ist das nicht schlimm! Wenn Sie widersprechen, ist das Ihr gutes Recht! Aber lassen Sie sich vielleicht zunächst ein wenig darauf ein.
Ich bin davon überzeugt: Jesus hat den Tod nicht besiegt! Weder zu Karfreitag –noch zu Ostern!
Ich bestreite nicht die Auferstehung! Aber die Auferstehung ist für mich auch kein Sieg über den Tod! Ich begründe das gleich noch. Es wird immer wieder behauptet. Bei Paulus steht es das erste Mal. Es hat eine lange Tradition in der Geschichte der Kirche. Bis heute gilt es vielen als die zentrale Auferstehungsbotschaft. In der Sonntagszeitung „Unsere Kirche“ steht in der aktuellen Osterausgabe ein großer Artikel mit der Überschrift: „Der wunderliche Krieg“! Als wenn das der Hauptgrund des Todes Jesu gewesen sei, dem Tod mit einem Krieg die Macht zu nehmen, die als Gegenmacht zum Leben verstanden wird. In unserem gleich folgenden Predigttext taucht das Verständnis der Herrschaft dunkler Mächte auch auf. Allerdings wird hier nicht der Tod dabei genannt. Für Paulus war der Tod die Strafe für die Sünden der Menschen. Alles Leid in der Welt, die Not der gesamten Schöpfung, sei durch die Sünde der Menschen verursacht. Die sei von Anbeginn an da gewesen und habe alle unter ihre Knechtschaft gebracht. Erlösung bringe allein Gott, indem er das größte und blutigste Opfer aller Zeiten selbst vollbringt. In seinem Sohn komme er zur Welt und lasse sich kreuzigen. Er nehme die Strafe auf sich, die jede und jeder von uns verdient hätte und damit versöhne er die Welt. Nur so zeige er seine große unendliche Liebe für uns. Damit nimmt er nun auch dem Tod seine Macht. Dieser ist für alle Zeiten besiegt. Das ist in kurzen Worten das, was den Auferstehungsglauben der Kirche im Wesentlichen bestimmt– bis heute. Es ist geprägt von einem Weltbild zweier verschiedener Mächte. Um vor der Angst vor der dunklen Macht TOD erlöst zu werden, bedarf es eines Sieges der guten Macht des Lichtes über der dunklen Macht. Doch wir haben ein Problem, wenn wir behaupten, es gäbe zwei solche Mächte, die im Krieg gegeneinander stehen. Sicher, diese spuken bis heute in den Köpfen der Menschen herum, in Filmen und Spielen genauso wie im echten Leben, in der Politik. Immer wurden sie dazu genutzt, Macht auszuüben, die helle, gute Macht auf der eigenen Seite zu behaupten, die dunkle, böse auf der anderen Seite. Dem Menschen hat es in seiner Weiterentwicklung geholfen, sich brutal durchzusetzen auf diesem Planeten. Keine Frage.
Die Frage ist nur: müssen wir das nicht endlich überwinden? Können wir ein solch primitives Weltbild verbinden mit unseren Erkenntnissen über das Leben? Ich meine nicht. Wir wissen heute bereits sehr viel über die Grundgesetzmäßigkeiten des Lebens und dazu gehört der Kreislauf von Werden und Vergehen, von Geborenwerden und Sterben, dem jedes Lebewesen unterliegt. Auch das Fressen und Gefressen werden ist nichts Böses, auch wenn es dem Opfer böse erscheint. Pilze, Tiere und Menschentiere leben von Pflanzen, viele Tiere auch von anderen Tieren. Der Tod, selbst der gewaltsame, manchmal sehr grausame und leidvolle Tod ist notwendiger Bestandteil des Lebens. Auch wenn wir sterben, leben andere von unserem vergehenden Körper. In uns lebt ein ganzer Organismus von stetigem Fressen und Gefressen werden. Ohne diesen könnten wir nicht leben. Wir müssen pflanzliches Leben zumindest töten oder reißen, um selbst zu leben. Diesen Kreislauf beenden zu wollen, ergibt keinen Sinn! Wir sehnen uns nach ewigem Leben ohne den Tod, wir sehnen uns nach einem leid- und schmerzfreien Leben, nach Erlösung von schwer auszuhaltender Last und Schuld. Diese Sehnsucht ist eine starke und wichtige Kraft! Sie verändert tatsächlich vieles, aber sie besiegt und beseitigt nicht das Leid und nicht den Tod, selbst die Angst davor nicht ganz. Da mögen wir noch so gläubig sein!
Es gibt für mich also Erklärungen dafür, warum wir gerne den Tod besiegen wollen und alles Leid auf der Welt sogleich mit. Aber es ist für mich eine Illusion, zu behaupten, das sei mit dem Tod Jesu am Kreuz und der dann folgenden Auferstehung geschehen! Es führt vor allem für mich viel zu kurz und ist deshalb auch gar nicht wirklich tröstlich.
Was ist nun für mich der Tod und was die Auferstehung?
Der Tod ist das notwendige Vergehen und Sterben des Körpers, der Materie, aus der wir bestehen. Er ist zugleich die Verwandlung in etwas Neues, da wir nicht nur aus sichtbarem Körper, Materie, bestehen, sondern im Wesentlichen, im lebendigen Kern, aus Geist! Ich könnte auch sagen: aus Gott! Durch und mit Hilfe des Todes geschieht die Auferstehung! Dazu kommen wir gleich noch im Zusammenhang mit dem Text aus dem Kolosserbrief.
Karfreitag ist nicht der Schock, dass es den Tod gibt, der uns Angst macht. Sicher hat Jesus im Garten Gethsemane auch Angst vor dem Tod gehabt. Im Wesentlichen ist Karfreitag der Schock, dass eine friedliche Bewegung, die die Reform des Glaubens wollte, die von Nächstenliebe und Gerechtigkeit sprach, die viele Menschen begeisterte und in ihnen eine große Hoffnung auf Veränderung wachrief, so jäh mit Gefangennahme und Kreuzigung endet. Auch wenn im Nachhinein oftmals behauptet wurde, dies sei ja von Anfang der Schriften, schon im Alten Testament prophezeit worden, in Wirklichkeit hatte niemand, selbst Jesus nicht, damit gerechnet! Es ist zudem ein besonders grausamer Tod, den Jesus erleiden muss. Keiner bis auf einige Frauen steht dann noch zu ihm, da alle Angst haben, genauso zu enden. Jesus wird brutal gefoltert. Allerdings: das muss man sagen, kein einzigartiger Tod. Wie viele sind damals auf diese Weise bestraft worden für angebliche oder tatsächliche Verbrechen! 10.000 Männer sollen es unter der Herrschaft des Pilatus allein gewesen sein. Wie viele werden bis heute aus politischen Interessen gefoltert und gequält, müssen Elektroschocks und vieles mehr erleiden, kaum vorzustellen, wie das ausgehalten werden kann. So grausam kann wohl nur die Spezies Homo sapiens sein. Wie viele andere Lebewesen, z.B. unsere Nutztiere, müssen unter der Herrschaft der Menschen leiden und können sich nicht wehren. Auf grausame Weise pferchen wir sie ein, um möglichst billig unser Fleisch-vielleicht sogar auf dem Osterteller zu haben. Sie sind fühlende Wesen wie wir, das wissen wir heute, mit den gleichen Grundbedürfnissen nach Liebe, Gemeinschaft, frischem Wasser, Sonnenlicht und Bewegung. Die Kinder nehmen wir den Müttern weg, damit diese ihre Milch uns geben und wir wissen heute, wie die Tiermütter und ihre Kinder darunter leiden. Wie viele Kreuzigungen gibt es auf dieser Welt! Karfreitag ist der Schock über diese Grausamkeit. Und Ostern der Protest dagegen. Leid kann nicht ganz aus der Welt geschaffen werden. Ein Leben lebt weiter vom anderen. Aber Leid kann gelindert werden – durch Liebe. Aus der Welt geschafft werden kann Leid aus Hab- und Machtgier, aus Egoismus und niederen Gründen. Im Mitgefühl, in der Solidarität und Liebe liegt eine Kraft, die die Welt verändern, verwandeln kann. Davon erzählt auch der Verfasser des Kolosserbriefes. Und nun komme ich zu unserem Text. Der Verfasser des Kolosserbriefes macht der Gemeinde in Kolossä im ersten Kapitel Mut mit dem Christushymnus, den er zitiert, ein Lobpreis, der im Urchristentum sehr beliebt war und schnell seine Runden zog. Er drückt in tiefer Weise etwas aus, das meiner Ansicht nach im Zentrum unserer Karfreitags-und Osterbotschaft liegen sollte.

Kolosser 1, 9 – 20a
Wir bitten Gott, dass er euch mit all der Weisheit und Einsicht erfüllt, die sein Geist euch schenkt, und dass er euch erkennen lässt, was sein Wille ist.
Denn ihr sollt ja so leben, wie es dem Herrn Ehre macht, und stets tun, was ihm gefällt.
Dazu kommt es,
wenn euer Leben als Frucht gute Taten aller Art hervorbringt,
wenn ihr darin ständig fortschreitet durch die immer tiefere Erkenntnis dessen, was Gott für euch getan hat, –
wenn ihr, gestärkt von Gott mit seiner ganzen Kraft und göttlichen Macht, geduldig und standhaft bleibt in allem, was ihr zu ertragen habt,
wenn ihr voll Freude dem Vater dankt, dass er euch befähigt hat, teilzuhaben am Leben seiner heiligen Engel im Reich des Lichts.
Denn er hat uns aus der Gewalt der dunklen Mächte gerettet und uns unter die Herrschaft seines geliebten Sohnes gestellt.
Durch den Sohn und in dessen Machtbereich ist uns die Erlösung zuteil geworden: Unsere Schuld ist uns vergeben.
Christus ist das Bild des unsichtbaren Gottes,
der erstgeborene Sohn des Vaters,
aller Schöpfung voraus und ihr weit überlegen.
Denn in ihm ist alles erschaffen worden,
was im Himmel und auf der Erde lebt,
die sichtbaren Geschöpfe auf der Erde
und die unsichtbaren im Himmel – die Thronenden, die Herrschenden, die Mächte, die Gewalten.
Alles hat Gott durch ihn geschaffen
und alles findet in ihm sein letztes Ziel.
Er steht über allem
und alles besteht durch ihn.
Er ist das Haupt des Leibes, das heißt: der Gemeinde.
Er ist der Anfang der neuen Schöpfung,
der Erstgeborene aller Toten,
der zuerst zum neuen Leben gelangt ist,
damit er in jeder Hinsicht der Erste sei.
Denn Gott gefiel es,
in ihm die ganze Fülle des Heils
Wohnung nehmen zu lassen.
Durch ihn wollte Gott alles versöhnen
und zu neuer, heilvoller Einheit verbinden.
Amen.

Christus steht für den Geist und die Kraft, in der Jesus lebte und lehrte. Mit seinem beeindruckenden heilenden Wirken ist Jesus Sinnbild für ein Leben in Nächstenliebe und Liebe zum Schöpfer. Deshalb sagen wir auch Jesus Christus.
Jesus macht in seinem Leben, mit allem was er tut und sagt, mit allem, was er ausstrahlt und bewirkt, deutlich: wir leben mit einer vergehenden, einem vorläufigen materiellen Körper, aber das, was uns lebendig macht, was uns Beziehungen knüpfen und leben lässt, was wir fühlen, spüren, ersehnen, erträumen, das ist Geist. Der Geist ist das eigentlich Erfüllende. Immer schon da gewesen, überall im Universum zu finden. In diesem Geist ist alles geschaffen. Der Geist, der immer wieder nach neuen Verbindungen und Beziehungen sucht, der unter dem leidet, was getrennt wird an guter, heilvoller Beziehung, und mit großer Energie danach strebt, neu seine Liebe zu beweisen, der ganz und gar alles annimmt, das er geschaffen hat, der mitleidet und sich mit freut, alle Gefühle teilt, der steht am Anfang und der ist das Ziel. Wenn ich das so zum Ausdruck bringe, kann ich heute wunderbar mit Wissenschaftlern ins Gespräch kommen, die nach den Ursachen, den Wirkungen und Zielen des Lebens fragen. Quantenphysiker z.B. haben aus ihren Erkenntnissen heraus ein ähnliches Bild vom Leben. Das ist doch spannend! Ein uralter Christushymnus und die moderne Quantenphysik!
Doch was hat das jetzt mit Karfreitag zu tun?
Karfreitag ist Sinnbild dafür, wie gebrochen das Leben sein kann, wie jäh unsere Planungen, Vorstellungen und Ziele in diesem Leben über den Haufen geworfen werden können. Wie das Glück unseres Lebens ein flüchtiges Gut ist, das wir niemals ganz in der Hand haben. Mit wieviel Schmerz und Grausamkeit in diesem Leben wir rechnen müssen und das alles verhindert kein allmächtiger Gott! Es wird alles zugelassen, weil es alles möglich ist in einem Leben von Fressen und Gefressen werden. Aber Karfreitag ist mehr.
„Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“ und: „Heute wirst du mit mir im Paradies sein!“ Mitten im größten Leid kann eine noch größere, stärkere Kraft entstehen, die mit großer Geduld Leid aushalten lässt und mildert, die sogar schwere Schuld vergeben lässt!
Wir sind nicht handlungsunfähig im Leid, wenn wir zueinander stehen! Der Einzelne kann tatsächlich zerbrechen, aber wenn wir uns in der Liebe nicht trennen lassen, geschieht Ungeheures, kaum Fassbares! Liebe ist stärker als Gewalt. Das geschieht, wenn wir auf die Kraft in uns trauen und zur Not, wenn manche es nicht mehr schaffen können, auf ihr Eigenes zu trauen, wir es für die anderen, an ihrer Stelle tun. Dann können wir vieles erreichen, was wir für unmöglich gehalten haben. Dann verändern wir ein Stück weit diese Welt und uns selbst mit. Dann brauchen wir keine Hab- und Machtgier, um uns durchzusetzen. Letztendlich steckt dahinter nur die Angst, sich selbst und das kleine kurze materielle Leben zu verlieren. Dann lassen wir der Macht und Gewalt nicht mehr tatenlos ihren Raum. Dann gehen wir auf die Straße, beteiligen uns an Protestaktionen und ersinnen Alternativen. Dann leben wir so, wie es der Kolosserbrief ausdrückt, „dass es dem Herrn Ehre macht und unsere guten Taten Früchte zeigen.“ Dann nutzen wir sogar unsere Fehler und unsere Schuld, um aus ihnen zu lernen. Dann schwindet die Angst, dann erfüllt uns etwas, das wir selbst nicht erzeugen, vom dem wir aber zehren können. Dann sprudelt in uns die Quelle einer Liebe, die grenzenlos ist.
Das alles ist möglich, weil wir Teil des Geistes sind, der überall in der Schöpfung zu finden ist, der alles Lebendige schafft, ja das Lebendige selbst ist.
„Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände!“ Lassen wir dem Geist des Lebens und der Liebe den freien schöpferischen Raum zur Neugestaltung in uns! Wie belebend ist das, zu wissen, dass wir uns immer weiter verwandeln lassen können und dass in uns schon all das schlummert, was eines Tages die Raupe in uns zum Schmetterling werden lässt! Was für Aussichten! Um es mit einem Blick auf Ostern zu sagen: Halleluja!
Amen.

Pfarrer Friedrich Laker, Dortmund

www.pauluskircheundkultur.net 

 

Zuletzt geändert am: 03.04.2018 um 11:56

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| Seite zuletzt geändert am: 20.06.2018, 14:20 von Ulrike Fries-Wagner |