Gottesdienste ohne Pfarrer/ Priester

Gottesdienste ohne Pfarrer/ Priester

Seit Langem sind wir dem Brauch (Ordinationsrechtl ) erlegen, dass bei uns wie in der röm.-kath. Kirche ein Pfarrer/priester entscheidend ist, ob ein Gottesdienst am Sonntag stattfindet. (Nun hilft man sich mit 'Prädikanten' als Ersatzpfarrer). Aber könnte es nicht mindestens so wichtig sein, ob eine Gemeinde zum Gottesdienst zusammenkommt ? ...

Die Verkürzung des Gottesdienstverständnisses auf das 'Predigthören' bzw. Teilnahme am Messopfer hat letztlich die Gemeinde entmündigt; wir haben weitgehend vergessen, dass wir als Gemeinde den Gottesdienst feiern ! Warum können wir nicht zusammenkommen zum gemeinsamen Beten, Singen, Bibeltext-Hören und -Bedenkern, darüber Sprechen, schließlich einander den Segen zusprechen -. auch ohne Kirchendiener, Küster, Glöckner, Kantor oder Pfarrer (ein Fest, wenn aIIe diese Helfer da sind! ) ?

Selbst das übliche Schwätzchen vor oder nach dem Gottesdienst, auch mit Kaffee und Kuchen, kann 'ohne' stattfinden!
Auch das Fortsetzen der 'offenen Tischgemeinschaft Jesu' (als Kennzeichen der Gemeinde 'zu seinem Gedächtnis'), muss nicht von einem Pfarrer/Priester abhängen.

Sind wir nicht auch sonst Hausväter oder -mütter mit Gästen am Tisch ? Aber das Problem geht ja noch weiter: wozu haben wir 'Kirchenälteste'? Nach welchen Gesichtspunkten wählen wir sie, sollen sie nur Verwaltungsaufgaben ordentlich beraten oder gar nur vorgegebene Beschlüsse bestätigen? - Daß Amtshandlungen wie Trauungen oder Beerdigungen in der Regel Aufgaben eines Pfarrers sind, ist wohl unumgänglich, aber auch solche Amtshandlungen fanden bekanntlich in Notsituationen ebenso 'gültig' durch 'Laien' statt!
Der erforderliche Umbau ist letztlich der notwendige 'Rückbau': Die frühe Gemeinde um und nach Jesus hatte überhaupt keine Pfarrer oder Priester!

(Autor: Dr. Eberhard Seichter)

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