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Buchbesprechung: "Auferstehung jetzt - Ostern als Aufstand. Theologische Provokationen" von Peter Trummer

29.01.2018
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Peter Trummer, Auferstehung jetzt – Ostern als Aufstand. Theologische Provokationen, 192 S., gebunden mit Schutzumschlag, Freiburg im Breisgau 2016. € 24,99

Verlag Herder GmbH
ISBN 978-3-451-34949-2

 

33 Essays von unterschiedlicher Intensität hat der emeritierte katholische Theologe Peter Trummer in seinem Buch „Auferstehung jetzt – Ostern als Aufstand“ versammelt. Ergänzt wird der Band durch 5 lyrische Texte und zwei Symbole, die der Autor gemeinsam mit Josef Wichmann gestaltet hat. Die Essays können je für sich stehen, in der fortlaufenden Lektüre bauen sie aber durchaus aufeinander auf. Alle Texte kreisen um die Thematik von Kreuz und Auferstehung. Neben dem neutestamentlichen Bogen vom Einzug in Jerusalem, der Passionsgeschichte, dem Abendmahl, Ostern, Himmelfahrt und Pfingsten werden auch Exodus und Taufe bedacht. Peter Trummer geht jeweils von den Bibeltexten in historisch-kritischer Lesart aus. Er reflektiert den Ort der Texte in der Gemeindesituation der Urkirche und bearbeitet dann intensiv die Wirkungsgeschichte in der katholischen Theologie und dem katholischen gottesdienstlichen Gebrauch. Hierbei ist sowohl die große Vertrautheit des Autors mit dem katholischen kirchlichen Leben spürbar, als auch sein hohes kritisches Potential. Dabei bleibt er nicht bei Reflexion und gegebenenfalls Kritik stehen, sondern die Essays münden jeweils in Handlungsimpulse. Ihre Energie beziehen diese Impulse aus der Auferstehung Jesu, die Peter Trummer als beständig gegenwärtiges Phänomen deutet.
Wie die Auferstehung Jesu im Denken, Fühlen und Handeln der Menschen gegenwärtig ist und immer mehr Realität gewinnen muss, ist der rote Faden, der sich durch dieses Buch zieht. Dabei stößt der Autor auf grundlegende theologische Einsichten, die in den verschiedenen Essays immer wieder auftauchen.

Ein großes Thema ist die Frage, ob Jesus als Opfer für unsere Sünden sterben musste. Dies verneint Trummer entschieden. Ein Gott, der solche Opfer fordert, würde nicht zu Jesu Bild eines liebenden und gütigen Gottes passen. Stattdessen leidet Gott im Kreuz Jesu mit und ist darin intensiv präsent. Der Tod Jesu war nicht Gottes Wille, sondern der Wille seiner Gegner. Das Symbol des Lammes, mit dem Jesus bezeichnet wird, steht nicht für Jesu Opferung, sondern für seine Gewaltlosigkeit. Das letzte Abendmahl ist kein Opfermahl, sondern es hat seine Wurzeln in der jüdischen Mahlgemeinschaft. Jesus geht es um die Konstitution einer neuen Gemeinschaft mit Gott, in der die Menschen völlig verändert werden. Dies bildet sich auch in der Gemeinschaft der Menschen untereinander ab. In Christus sind alle ein Leib ohne gesellschaftliche Unterschiede, eine neue geschwisterliche Gemeinschaft, in der gegenseitige Vergebung zentral ist. Das mit Jesus gefeierte Gemeinschaftsmahl sollen die Jünger auch nach Ostern so weiterführen, weil er in ihrer Gemeinschaft präsent ist.

Ein weiteres zentrales Thema ist die Frage, inwiefern Jesus „wahrhaftig auferstanden“ ist. Mehrmals stößt Trummer in seinen Essays auf die Erkenntnis, dass zwar Jesu körperliches Leben vernichtet werden konnte, nicht aber sein Selbst, seine Person. Dies ist auch der Schlüssel für sein Verständnis der Auferstehung. Auferstehung ist für Trummer nicht die Wiederherstellung des irdischen Leibes, sondern die letztgültige Annahme unserer Person durch Gott. In diesem Sinne ist Jesus wahrhaftig auferstanden.

Ein drittes Thema beschäftigt sich mit der Bedeutung der Auferstehung Jesu für die Menschen heute. Sie besteht in der Aufforderung und Bestärkung, die Bewegung der Auferstehung durch entsprechendes Handeln in Kirche und Gesellschaft mit zu vollziehen. Das kann ganz persönlich in einem gnädigeren Umgehen mit eigener und fremder Schuld geschehen, aber auch im Aufstehen gegen kirchliche Strukturen und Glaubensinhalte, die sich weit von Jesu Intention entfernt haben. Ebenso sind Gewalt und Unrecht in der Welt sowie die Zerstörung der Lebensgrundlagen im Focus. Vorbild und Orientierung hierfür ist Jesus mit seinem Gottesbild und seinem ganzen Leben. Jesus ist das verdichtete Leitbild des Menschseins, eine Überlebensvision für die ganze Menschheit. Gegen das Bedürfnis, sich in Schuldbewusstsein vor Gott in den Staub zu werfen, gegen die Kirche, die aus der geschwisterlichen Gemeinschaft ein hierarchisches System gemacht hat und gegen jede Missachtung der Schöpfung ruft Trummer die Leserinnen und Leser zum Aufstehen, ja zum Auferstehen und zum Aufstand.

Da der Autor sich in den kirchlichen Analysen ausschließlich mit dem katholischen Kirchenverständnis und der zugehörigen Praxis beschäftigt, könnten evangelische Leserinnen und Leser leicht versucht sein, sich zufrieden und unbeteiligt zurückzulehnen. Dazu besteht aber wenig Anlass. In der Evangelischen Kirche sind immer mehr Bestrebungen zu beobachten, sich dem katholischen Amtsverständnis anzunähern. Dies wird gerne mit Bemühungen um die Ökumene begründet. Neben der skizzierten Hauptlinie bietet der Band eine ganze Reihe weiterer überraschender Einsichten und Entdeckungen. So werden Judas und Petrus einander gegenüber gestellt, das kirchliche Eheverständnis thematisiert und Exodus, Taufe, Schöpfung und Wiederkunft Jesu in den österlichen Kontext gestellt.

Abschließend formuliert der Autor folgendes Glaubensbekenntnis: „Ich erwarte die Auferstehung der Toten schon im Augenblick des Todes und bin bereit, so gut ich kann, daran mitzuwirken, dass die Auferstehung Jesu immer mehr zur Kraftquelle für alle Menschen wird, dem vielfachen Tod im Leben schon jetzt hinhaltenden Widerstand zu leisten. So wahr mir Gott helfe: also Ostern als Aufstand!“ (S. 191)

Das Buch lässt sich für theologische Literatur recht gut lesen. Schön ist, dass es nicht das Gefühl hinterlässt, man solle zu dem intendierten Denken und Handeln gezwungen werden. Stattdessen löst die Lektüre zumindest ein gedankliches inneres Aufstehen aus. Der ökumenische Blick über den Tellerrand wäre eine interessante Ergänzung gewesen. Aber der lässt sich vielleicht durch gemeinsame Lektüre und Gespräche über das Buch nachholen.

22.01.18 Ulrike Fries-Wagner

Zuletzt geändert am: 29.01.2018 um 23:54

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| Seite zuletzt geändert am: 02.02.2018, 18:35 von Ulrike Fries-Wagner |