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Auferstehung der Toten

08.03.2018
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Er sagt, aus biblischer Sicht sei unser Leben dennoch sinnvoll, ja es erhalte besonderes Gewicht, wenn es gelebt wird in der Erkenntnis Gottes und seiner Verheißungen und nicht im Blick auf Belohnung oder Strafe nach dem Tod im Jenseits. Benk beruft sich ausführlich auf die Gedanken von Dietrich Bonhoeffer, enthalten in seinen Briefen aus dem Gefängnis.
Was ist für das Leben die göttliche Weisung? Die Exegetin Bettina Eltrop sagt: „Gewaltigen Raum nehmen die Texte ein, in denen über den Skandal der Ungerechtigkeit diskutiert wird – im Alten wie im Neuen Testament“. Dem folgend sagt Benk, den Propheten gehe es nicht um Tod und Vertröstung, sondern um die Mißstände auf Erden und um den Kampf für eine wahrhaft gerechte Gesellschaft. Auch für Jesus gelte ja: Nicht Tod und Auferstehung seien das Thema, sondern konkrete menschliche Not und deren Überwindung dank Gottes Eingreifen im Hier und Jetzt. Seine Botschaft vom Reich Gottes beziehe sich auf diese, unsere Welt. Gottes Herrschaft werde sich nicht in einem Jenseits manifestieren, sondern hier auf der Erde als irdische Verwirklichung der Gerechtigkeit Gottes.
Das Fazit dieser (wie es in der Überschrift heißt) provozierenden Stellungnahme:
„Jenseitsglaube kann den Blick auf das Wesentliche christlicher Botschaft verstellen.
Jesu … Vision einer gottgewollten Welt wird zur Herausforderung für Lebensstil und Gesellschaftsgestaltung ... Die Pointe christlicher Hoffnung ist radikale Umkehrung
ungerechter Verhältnisse, nicht Vertröstung auf ein Jenseits“.

II.
Im darauffolgenden Heft von Publik Forum vom 22. Juli 2016 erschien eine Erwiderung auf Andreas Benk unter dem Titel „Hinterm Horizont geht’s weiter“, verfaßt von dem katholischen Theologen Magnus Striet. Er gibt Benk darin recht, daß das Christentum über viele Jahrhunderte hinweg die Menschen aus dem „irdischen Jammertal“ heraus und wegen der ihnen gepredigten Sündhaftigkeit und der angekündigten Höllenstrafe auf ein Jenseits verwiesen und ermahnt und getröstet hat. Luther habe dann den entscheidenden theologischen Schnitt gewagt: Nichts müsse der Mensch für sein Seelenheil tun, weil er nichts dafür tun könne und immer bereits auf die Gnade des barmherzigen Gottes rechnen dürfe. Man kann also durch Jenseitsglauben und -furcht dem Leben auf dieser Erde schaden, und Fürsorge für die Lebenden ist der Bibel wichtig. „Wenn Gott, wie biblisch immer wieder hervorgehoben wird, ein Gott des Lebens ist, müssen Hunger und Gewalt und überhaupt alles, was das Sich-Entfalten des menschlichen Lebens in Freiheit hindert, bekämpft werden“, schreibt Striet. Aber, so fährt er fort, die Bibel fragt auch nach den Toten. „Was wird aus jenen, die sogar den Tod erlitten, weil sie – wie der Gekreuzigte aus Nazareth oder auch Dietrich Bonhoeffer – sich weigerten, einen Pakt mit jenen zu
schließen, die das Leben anderer brutal mit Füßen treten?“ Gott erweist sich noch an den Toten als barmherzig. „Dieser Jenseitsglaube hat nichts mit Weltflucht zu tun... In diesem Jenseitsglauben wird die Welt in ihrer Schönheit, aber auch in ihrer Fragilität und Schmerzdurchseuchtheit radikal ernst genommen“.
Striet blickt auf das Leben von Heinrich Heine, der für Freiheitsrechte und Gerechtigkeit gekämpft hat, der sich gegen den Gedanken eines Jenseits empörte und hier auf Erden das Glück suchte, der aber in seiner langen Krankheitszeit doch nach jenem Gott fragte, der den Menschen davor bewahrt, in der Namenlosigkeit des Nichts zu verschwinden. Auch für uns, so sagt Striet, ist es nicht sentimental, nicht falsch, auf einen Gott zu setzen, „der noch Möglichkeit hat“. An Jesus hat sich Auferstehungshoffnung erfüllt. Christlich zu glauben bedeutet dann „zu glauben, daß sich dieses Handeln Gottes an jedem Menschen vollziehen wird“.

III.
Seit Jahren trifft sich der Kreis „Glaube im Gespräch“ in Dießen mit Herrn Pfarrer Jokisch.
Wir haben uns auch über Auferstehung Gedanken gemacht. Zuletzt beschäftigten wir uns mit Bonhoeffers neuer Theologie, wie sie aus seinen Briefen hervorgeht, die er im Jahre 1944 an seinen Freund Eberhard Bethge schrieb und die dieser im Buch „Widerstand und Ergebung“ 1951 veröffentlicht hat.
Man kann Bonhoeffer nicht, wie es im Beitrag von Andreas Benk geschieht, zitieren für die Ansicht, das Leben sei mit dem Tod zu Ende und eine Auferstehung gebe es nicht. Für Bonhoeffer stellte sich die christliche, überkommene Religion dar als gekleidet in ein veraltetes Gewand. Er möchte den Menschen befreien von falschen religiösen Bindungen und Hemmungen. Wir wollen zu einer mündig gewordenen Welt sprechen, sagt er, und müssen dafür viele religiöse Begriffe neu interpretieren – so die Begriffe Buße, Glaube, Rechtfertigung, Erlösung, Wiedergeburt und Heiliger Geist, Kreuz und Auferstehung.
„In den überlieferten Worten und Handlungen ahnen wir etwas ganz Neues und Umwälzendes, ohne es noch fassen und aussprechen zu können“ (Gedanken zum Tauftag Mai 1944). All das muß neu erklärt werden vom Evangelium, von Christus her. Christsein heißt nicht: in einer bestimmten Weise religiös sein, sondern es heißt: Menschsein. Den Menschen schafft Christus in uns. Bonhoeffer sagt zwar deutlich, das Diesseits darf nicht vorzeitig aufgehoben werden durch einen Blick zum Jenseits, der Christ soll das irdische Leben ganz auskosten, fährt aber fort: „Indem er das tut, ist der Gekreuzigte und Auferstandene bei ihm und ist er mit Christus gekreuzigt und auferstanden“ ( 27. 6. 1944).
Das ist also nicht eine Leugnung von Auferstehung, es ist eine Einholung von Transzendenz in das Leben, ist eine Öffnung für den Gedanken, der späteren Theologen wie Eugen Biser, Hubertus Halbfas, Klaus-Peter Jörns wichtig geworden ist: Es gibt nur eine Wirklichkeit, Gott wirkt in seiner Schöpfung als das Leben, er ist in uns, wir nehmen teil an der fortdauernden Schöpfung, Jesus hilft uns durch sein Beispiel zur Menschwerdung, unser eigener Beitrag zur Evolution des Geistes, zur Entfaltung von Geist und Liebe geht beim Tod nicht verloren.
Der Beitrag von Andreas Benk ist auch darin zu eng, daß er über „Gerechtigkeit“ zu einer dem Christen aufgegebenen Gesellschaftsgestaltung kommt. Gerechtigkeit für den Menschen des Alten Testaments bedeutete zuallererst: Gehorsam gegenüber Gottes Geboten. Wenn Benk sagt, Jesu Botschaft vom Reich Gottes bezieht sich auf unsere Welt, dann übersieht er den Heilscharakter der Tischgemeinschaft, die Jesus immer wieder suchte und die sein stärkstes Symbol war für das Reich Gottes, das nicht nur kommen sollte, sondern in diesem Augenblick schon da war und gefühlt wurde – ein Bild vom Paradies, wie es Johannes darbietet in Kapitel 12, Vers 1-3 : Jesus sitzt zu Tisch mit seinen Jüngern, darunter Johannes, „der Jünger, den Jesus liebhatte“. Um Jesus geschart sind drei, von denen es gerade vorher geheißen hat: „Jesus aber hatte Marta lieb und ihre Schwester und Lazarus“, den Bruder von Marta und Maria. Beim Mahl nimmt Maria köstliches Salböl und salbt Jesu Füße und trocknet sie mit ihrem Haar – das Haus aber wird erfüllt vom Duft des Öls! Also ein Bild von Liebe und Gegenliebe und überirdischer Festlichkeit.
Schon die Auferweckung des Lazarus nach Tagen des Todes ist ein vorausblickender Hinweis des Evangelisten auf die Auferstehung Jesu.
Diese Auferstehung nun muß nicht gedacht werden als ein Eingehen in einen fernen Himmel. Eine zweite Wirklichkeit als die unsere gibt es nicht. Eugen Biser sagt: Jesu Tod ist Liebestat, mit seiner Auferstehung beginnt sein pneumatisches Dasein als „lebendig machender Geist“, als Einwohnung in den Seinen. Biser sagt wie Bonhoeffer, der Glauben soll sich wandeln, weg von Dogmen und Bildern und hin zur Innenwelt, zur Innerlichkeit, zum Bewußtsein, nie ganz allein gelassen zu sein, sondern geborgen („Von guten Mächten“...) und gehalten in der Sphäre des auferstandenen Christus, die den Menschen umhüllt und die ganze Welt (Quelle: Sendereihe des Bayrischen Fernsehens unter BR alpha, in der Biser seine Theologie darlegen durfte, ich machte mir Notizen).

Im Beitrag von Magnus Striet wird die Auferstehung in vorsichtigen Worten bejaht. Es fragt sich aber, ob er den modernen, mündig gewordenen, aufgeklärten, intellektuellen Menschen damit überzeugen kann. Das fühlte gerade Bonhoeffer, daß hergebrachte, bildhafte Begriffe nicht mehr verständlich, daß sie kraftlos geworden sind. Sie müssen in neuer Sprache erklärt werden. Sie müssen zu unserem Weltbild passen, zum Wissen von Evolution, zum Wirken von Geist und Geistigem, zur Erfahrung von zwischenmenschlicher und göttlicher Liebe, zum Bewußtsein der Verbundenheit von Pflanze, Tier, Mensch und schöpferischem Gottesgeist. Insofern brauchte Striets Darlegung eine Ergänzung – vielleicht in dem oben angegebenen Sinne

Zuletzt geändert am: 08.03.2018 um 16:40

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| Seite zuletzt geändert am: 07.07.2018, 19:14 von Administrator |