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Anselm Grün - Michael Grün: Zwei Seiten einer Medaille - Gott und die Quantenphysik

Buchempfehlung von Dr. Christian Greiff

Vier-Türme-Verlag Münsterschwarzach 2015
Hier verwendet 4. Aufl. 2016 128 Seiten

Im Juli 2017 traf ich mich mit einem Freund für vier Tage zum Wandern im Frankenland, und zwar an der Volkacher Mainschleife. Vor 70 Jahren waren wir beide in Wiesbaden die Anführer einer kleinen Gruppe christlicher Pfadfinder. Nun stiegen wir von Sommerach in die Weinberge hinauf, die sich auf der "Weininsel" erheben. Die hat sich ergeben, als man zur Begradigung des Mains einen Kanal baute und damit die weite Flußschleife in eine stille Auenlandschaft verwandelte. Von den Weinbergen südlich schauend erblickt man vier graue Türme, die zur Abtei Münsterschwarzach gehören. Dort lebt als einer der 80 Mönche Anselm Grün. Wir besuchten die Abtei und sahen im Buchladen eine lange Reihe von ihm verfaßter Bücher. Er wird dort vorgestellt als der bekannteste spirituelle Autor in Deutschland, der vielen Menschen, unabhängig von ihrer Konfession, ein Ratgeber und Wegbegleiter sei.

Sein Bruder Michael Grün war Mathematik- und Physiklehrer am Gymnasium. 2014 hielt er einen Vortrag über Physik und Religion. Er wurde danach gedrängt, den Text zu veröffentlichen. Sein Zögern überwand er, als Anselm Grün spontan bereit war, dasselbe Thema aus theologischer Sicht zu behandeln. So entstand das Buch der zwei Autoren.

 Nun also zunächst ein Kursus über Physik und Astronomie in Geschichte und Gegenwart, der hinführt zur Quantenphysik, die vor 100 Jahren aus Experimenten mit Licht entwickelt und dann durch mathematische Operationen erhärtet wurde. Sie öffnete die Augen für die Begrenztheit menschlichen Erkennens der Dinge an sich, für den Zusammenhang aller Teilchen und Wirkungen der atomaren Welt mit der nahen und fernen Umgebung, für die Verbundenheit des Menschen mit dem ganzen Kosmos. Erst gab es die Beobachtung des Verhaltens mikrophysikalischer Gebilde und die Erkenntnis, Energie und Licht könne nur in kleinsten, unteilbaren Paketen, "Quanten", übertragen werden - dann weitete sich die Sicht auf den kosmischen Zusammenhang alles Seins. Deshalb ist der Name "Quanten-physik" eigentlich zu eng. Hans-Peter Dürr sagt, richtiger wäre der Name "holistische Physik". Das griechische Wort to hólon bedeutet: die Gesamtheit, das ganze Wesen, das Weltganze, das Weltall.

Im Ergebnis sagt der Physiker Michael Grün: Die klassische Physik hatte uns übermütig gemacht, die moderne Physik lehrt uns die Demut und das Sich-Wundern. Sie hat die Jahrhunderte währende Gegnerschaft zwischen Religion und Physik beseitigt. Sie hat Raum geschaffen für die Vorstellung von Transzendenz, von Gott.

Aber sie kann selbst nichts über Gott aussagen, fügt der Theologe hinzu, sie kann Gott nicht beweisen. Anselm Grün wendet sich dagegen, die Erkenntnisse der Quantenphysik direkt auf die Theologie zu übertragen (S. 104 f.), wie es im Buch von Markolf N. Niemz "Bin ich, wenn ich nicht mehr bin?" geschehe, wenn nämlich das Leben nach dem Tod, das ewige Leben, wie die Theologie es nennt, in physikalischen Begriffen ausgedrückt wird. "Für mich geht hier das Geheimnis verloren".

Und damit kommt man im zweiten Teil des Buches zur Betrachtung, zur Meditation des Theologen und Mönches. Gern greift Anselm Grün die Idee der neuen Physik von der Einheit allen Seins auf und spricht vom Wirkungszusammenhang des menschlichen und des göttlichen Geistes. So könne man sich vorstellen, daß das Leben Jesu, das sich in einem verborgenen Winkel der Welt abgespielt hat, eine Wirkung auf die ganze Welt hat. Auch hier also eine holistische Sicht - die Welt als ein Ganzes in Verbundenheit über Raum und Zeit hinweg. Zur Erinnerung: Klaus-Peter Jörns sagt in seinem Buch "Update für den Glauben" (S. 101), den geistgeschaffenen Zusammenhang von allem mit allem könne man gut als Holismus bezeichnen.

Auf dieser Grundlage sagt Anselm Grün Neues über die Erlösung durch Jesus Christus, über die Weise, wie Gott uns erscheint, nämlich persönlich und überpersönlich, und über das Gebet: Es führt uns in den inneren Raum der Seele, in dem Gott in uns herrscht. Es verändert uns selbst. Es erzeugt in uns Hoffnung, auch für den Menschen, für den wir beten. Es läßt in uns die Sehnsucht nach dem Reich Gottes wachsen. Und dann kommt das Reich Gottes zu uns.

Wer mehr von diesem schmalen Buch (aber mit 6 Seiten Literaturhinweisen) erfahren will, der möge meine Zusammenstellung wörtlicher Zitate auf den folgenden Seiten lesen, oder / und das Buch erwerben.

 

Michael Grün: "Physik und Religion"

S. 13. Die Physik ist als Lehre von der Natur die Kerndisziplin der gesamten Natur-wissenschaften.
S. 14. Sowohl in der Antike als auch im Mittelalter waren Physik und Religion nicht zu trennen... Das Verhältnis von Physik und Religion änderte sich dramatisch durch die sogenannte "Klassische Physik".
S. 15. Das Gedankengebäude, das vor allem auf den Methoden und Erkenntnissen von Galilei, Descartes, Newton und Kant beruht, nennt man die klassische Physik.
S. 16. Nach der klassischen Physik funktionieren das Weltall und alles in ihm wie eine Maschine, wie ein Uhrwerk, das - einmal aufgezogen - von selbst nach den Gesetzen der Physik abläuft... Gott kann höchstens noch Platz eingeräumt werden als dem Schöpfer und Erbauer der Maschine, keinesfalls aber als jemandem, der noch immer ins Leben und in die Welt eingreift.
S. 18. Es zeigte sich aber: Der Erfolg einer Theorie ist kein Garant für ihren Wahrheits-gehalt.
S. 19. Ab 1925 entdeckten jedoch zuerst Vesto Slipher und dann vor allem 1928 Edwin Hubble, daß das Universum gar nicht starr ist, sondern daß da eine gewaltige Dynamik herrscht. Es ist so, daß sich fast alle Milchstraßen voneinander weg bewegen, und je weiter eine Milchstraße von uns entfernt ist, desto schneller bewegt sie sich fort... 1948 veröffentlichten Ralph Alpher, Hans Bethe und George Gamow die heute von fast allen Physikern akzeptierte Urknalltheorie.
S. 20. Nach jetziger Kenntnis wurde vor 13,8 Milliarden Jahren durch irgendetwas - etwas Explosionsartiges, das man heute Urknall nennt - alles auseinandergetrieben... Dieser Urknall wird von vielen als Schöpfung angesehen, als Auslöser wird etwas angenommen, das auch als Gott bezeichnet werden kann. Gott wurde damit in der Physik wieder ins Bewußtsein gerückt, er hatte plötzlich bei vielen Physikern wieder einen Stellenwert.
S. 22. Heute wissen wir, daß unsere Milchstraße etwa einhundert Milliarden solcher Sterne wie unsere Sonne... enthält und einen Durchmesser von etwa 120 000 Lichtjahren hat... Es gibt etwa einhundert Milliarden solcher Milchstraßen.
S. 23. Von dem, was sich im riesigen Weltall befindet, bestehen nur etwa fünf Prozent aus uns vertrauter Materie oder Energie... Weitere 27 Prozent der Substanz des Universums sind etwas, das uns völlig fremd ist und von dem wir nur wissen, daß es sich und unsere Materie durch die sogenannte Gravitationskraft anzieht. Wir nennen es "Dunkle Materie". Und etwa 68 Prozent der Substanz des Universums sind noch rätselhafter. Sie bestehen aus etwas, das antigravitativ, also auseinandertreibend wirkt. Wir nennen es "Dunkle Energie". Das heißt von dem, was sich im riesigen Universum befindet, sind uns 95 Prozent völlig unbekannt.
S. 27. Die Spezielle Relativitätstheorie sagt, daß die Zeit für einen Körper von seiner Geschwindigkeit relativ zu einem anderen abhängt - je schneller ein Körper sich bewegt, desto langsamer vergeht die Zeit. Und nach der Allgemeinen Relativitätstheorie hängt die Zeit auch vom Gravitationspotential ab, in dem sich ein Körper befindet. Die Zeit ist demnach etwas Relatives.
S. 28. Bei der Ortung mit dem GPS-System etwa muß man dringend die Relativität der Zeit für Uhren in den Satelliten berücksichtigen, wenn man mit der Ortungsmethode brauchbar Positionen bestimmen will. Diese Relativität der Zeit hat Konsequenzen für ein mögliches Gottesverständnis und andere religiöse Vorstellungen... Eine Ahnung davon drückt der Zweite Petrusbrief aus: "Ein Tag ist beim Herrn wie tausend Jahre und tausend Jahre wie ein Tag".
S. 31. Die Relativitätstheorie macht die Frage nach der Zeit vor dem Urknall müßig, da die Zeit erst mit dem Urknall entstand.
S. 32. Stärker noch hat die Quantenphysik die klassische Physik ins Wanken gebracht und am nachhaltigsten das Verhältnis von Physik und Religion verändert. Die Quantenphysik ist entstanden im Ringen um die Erkenntnis der Natur des Lichtes: Hat es die Eigenschaft von Welle oder Teilchen? 1802 schien der Streit zugunsten der Wellentheorie entschieden. Doch aufgrund einiger Versuche Ende des 19. Jahrhunderts gab schließlich ... am 17. Dezember 1900 Max Planck den Anstoß zur Quantenphysik. Deren erste Aussage war, daß dem Licht beide Eigenschaften zukommen würden: von Welle und Teilchen... Ab 1926 zeigte sich, daß dieser Doppelcharakter von Welle und Teilchen nicht nur dem Licht zu eigen ist, sondern im Grund jeder Art von Materie - also auch etwa Elektronen, Protonen, Atomen oder Bällen - zukommt. Das war zunächst so unverständlich und scheinbar widersinnig, daß es von den meisten Physikern ignoriert wurde. Bis 1927 hatten jedoch vor allem Werner Heisenberg, Max Born, Paul Dirac und Erwin Schrödinger den Doppelcharakter in einen mathematischen Formalismus gepackt. Diese mathematische Theorie der Quantenphysik ist bis heute die beste und präziseste mathematische Theorie der gesamten Physik, die mit höchster Präzision alle Vorgänge zumindest in der Mikrophysik richtig errechnen läßt.
S. 33. Eine erste Erkenntnis hat Max Born 1926 gewonnen: Der Zufall ist fundamental in der Natur verankert. Daher sind alle physikalischen Aussagen nur Wahrscheinlichkeits-aussagen.
S. 35. (Der Zufall) zeigt sich in reiner Form etwa beim radioaktiven Zerfall... Es gibt ... beim radioaktiven Zerfall einer Tritiumprobe keine Ursache dafür, daß das Atom etwa mit der Nummer 1 in einer Stunde zerfällt, das mit der Nummer 65 nach zwei Sekunden, das mit der Nummer 15 erst nach tausend Jahren und das mit der Nummer 100 gar nicht... Es gibt nach der Quantenphysik noch einen weiteren Grund, daß man den Fortgang von Vorgängen nicht genau berechnen kann: die Heisenbergsche Unschärferelation. Sie lehrt uns, daß man niemals alle Anfangsbedingungen genügend genau messen kann.
S. 38. Zwei weitere Eigenschaften stecken in der mathematischen Theorie der Quanten-physik: die "Nicht-Lokalität" und die "Nicht-Objektivität"... Ich möchte es zunächst am Doppelspaltversuch erläutern, dem zentralen Versuch der Quantenphysik. Er wurde zum ersten Mal 1802 mit Licht, dann 1956 mit Elektronen und inzwischen mit vielen verschiedenen Teilchen durchgeführt.
S. 41. (Wenn beide Spalte geöffnet sind:) Dies ist das typische Bild, das man bekommt, wenn man Wellen durch einen Doppelspalt schickt. Die Anteile der Wellen, die durch Spalt 1 beziehungsweise durch Spalt 2 gehen, überlagern sich auf dem Schirm und bilden ein sogenantes Interferenzmuster.
S. 43. Die Wellenfunktion des Elektrons ist "über die ganze Welt verschmiert"... Nach der mathematischen Theorie geht jedes Elektron aufgrund seines Wellencharakters durch beide Spalte... Wie soll ein Elektron als ein Teilchen durch beide Spalte gehen können?
S. 45. Man erkennt mit blauem Licht, daß jedes Elektron genau durch einen Spalt geht, entweder durch Spalt 1 oder durch Spalt 2. Mit rotem Licht ist das Bild des Elektrons so groß, daß man nicht eindeutig entscheiden kann, ob es durch Spalt 1 oder Spalt 2 oder sogar durch beide Spalte gegangen ist. Was wir erkennen, hängt demnach von unserem Beobachtungsapparat und unserem Messgerät - in diesem Fall vom verwendeten Licht - ab.
S. 46. Ich als Beobachter beeinflusse den Charakter von Dingen wie dem Elektron. Ohne meine Beobachtung verhält sich das Elektron wellenhaft, mit meiner Beobachtung teilchenhaft, dinghaft. Außerhalb meiner Beobachtung ist die Welt anders als mit meiner Beobachtung. Was ich erkennen kann, ist damit nicht die absolute Wahrheit, sondern nur, wie sie sich mir zeigt, wenn ich sie mit meinen Sinnesorganen betrachte oder mit meinen physikalischen Beobachtungsinstrumenten nachweise.
S. 47. Werner Heisenberg hat das so ausgedrückt: "Das Elektron existiert als wirkliches Ding nur, wenn es gemessen wird. Ansonsten ist es nur eine Möglichkeit, ein Ding zu werden"... Es gibt damit kein Ding an sich und keine objektive Welt, wie Kant, Newton und Descartes uns gelehrt haben.
S. 56. Die Nicht-Lokalität lehrt uns, daß die Dinge nicht so primitiv, seelenlos, lokal beschränkt sind, wie die klassische Physik es lehrte. Kein Teilchen ist isoliert, sondern ein jedes hat "Ahnung" von der ganzen Umgebung, von der ganzen Welt. Die ganze Welt beeinflußt ein jedes Teilchen und ein jedes Teilchen beeinflußt die ganze Welt. Der wohl renommierteste Philosoph der letzten Jahrzehnte unter den Quantenphysikern, Hans-Peter Dürr, drückte das so aus: "Der individuelle Mensch ist mit dem ganzen Kosmos verbunden".
S. 57. Hans-Peter Dürr meinte, der Name Quantenphysik sei für das, was man darunter verstehe, nicht glücklich gewählt. Besser zutreffend wäre der Name "holistische Physik". Er meint damit eine Physik, die zeigt, daß alles zusammengehört und nichts isoliert ist.
S. 65. Die moderne Physik hat die Jahrhunderte währende Gegnerschaft zwischen Religion und Physik beseitigt.
S. 66. Hatte uns die klassische Physik übermütig gemacht, so lehrt uns die moderne Physik die Demut und das Sich-Wundern.
 

Anselm Grün: Anmerkungen eines Theologen zum Thema "Physik und Religion".

S. 69. Die Theologen haben immer auch die Natur studiert und Begriffe aus dem jeweiligen Weltbild in ihre Theologie übernommen.
S. 70. Das Alte Testament übernimmt das Weltbild, das es bei den Ägyptern oder Persern vorfand... Paulus entfaltet seine Theologie im Dialog mit der stoischen Philosophie. (Areopagrede, der stoische Dichter Aratos von Soloi aus dem 3. Jh. vor Chr. : "In ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir. Wir sind von seiner Art". Apostelgesch. 17,28).
S. 73. Die Quantenphysik hat diese einseitige Sicht der Naturwissenschaft aufgelöst. Sie hat den Determinismus infragegestellt und läßt so wieder Raum für Gott. Aber sie kann selbst nichts über Gott aussagen.
S. 78. Gott ist persönlich und überpersönlich, er ist der Urgrund, aber er ist als der unbegreifliche Gott immer auch ein Du, das ich ansprechen darf und das mir als Du begegnet.
S. 79. Gott übersteigt diese Welt. Er ist in der Welt und durchdringt die Welt, aber zugleich übersteigt er auch diese Welt. Theologisch ausgedrückt: Gott ist immer beides: immanent und transzendent.
S. 80. Die Quantenphysik betont die Einheit allen Seins... Für uns Menschen heißt das: Wir können uns im Kosmos nicht als isolierte Wesen verstehen. Wir haben immer schon teil an der Materie. Was an einem Ort der Welt geschieht, hat Auswirkungen auf die ganze übrige Welt. Von daher können wir uns vorstellen, daß das Leben Jesu, das sich in einem verborgenen Winkel der Welt abgespielt hat, eine Wirkung auf die ganze Welt hat. Das zeigt den Weg, wie wir die Erlösung durch Jesus Christus heute verstehen können. Was Jesus damals getan hat, hat Auswirkungen bis heute. Jesus hat damals die Bosheit der Menschen, die ihn ans Kreuz geschlagen haben, mit Liebe überwunden. Der Sieg der Liebe über den Haß, wie er im Kreuz Jesu sichtbar wird, wirkt sich bis in unsere Zeit hinein aus.
S. 81. Wir Menschen sind immer schon in Kommunikation miteinander. Und was bei einem Menschen geschieht, das verändert auch die Voraussetzungen für den anderen.
S. 82. Was damals in Palästina geschehen ist - die Worte, die Jesus gesprochen hat, die Art und Weise, wie er auf Menschen zugegangen ist und sie geheilt hat, wie er den gewaltsamen Tod in einen Akt der Hingabe und Liebe verwandelt hat -, das hat sich in die Welt eingegraben. Das hat die Welt verwandelt. Von da aus ist ein neues Verständnis von Erlösung möglich.
S. 83. Oft genug wurde der Geist als Produkt der Materie gesehen. So hat es etwa die Evolutionslehre aufgefaßt. Irgendwann war das Gehirn des Menschen so weit entwickelt, daß der Mensch denken konnte.
S. 84. Die Quantenphysik zeigt uns eine andere Sicht von Geist und Materie. Schon vor Entstehung des Lebens ist die Materie vom Geist durchdrungen... Wir können Geist und Materie nicht mehr genau voneinander trennen. Sie sind immer schon miteinander verbunden.
S. 87. Natürlich können wir Gott durch unser Gebet nicht zu etwas zwingen. Wir dürfen Gott in unserem Gebet nicht vorschreiben, was er zu tun hat. Und wir dürfen uns die Wirkung des Gebetes auch nicht rein menschlich so vorstellen, daß Gott im Himmel reagiert, wenn wir auf Erden ihn möglichst hartnäckig darum bitten... Wir können das Wort Jesu so verstehen, daß das Gebet uns in den inneren Raum der Seele führt, in dem Gott in uns herrscht... Die Quantenphysik hat das innere Verflochtensein allen Seins erkannt. Und von daher können wir auch die Wirkung des Gebetes verstehen. Wenn wir für einen anderen Menschen beten, dann verändert das Gebet uns selbst und erzeugt in uns Hoffnung für diesen Menschen. Und diese Hoffnung kann auch den Menschen bewegen, für den wir gebetet haben.
S. 89. Heute geschieht an uns das, was damals Jesus an den Menschen gewirkt hat. Von der Einheit allen Seins her können wir uns das gut vorstellen. Wenn wir die Worte Jesu in den Sakramenten wiederholen, dann haben sie auch heute eine verwandelnde Kraft, dann bewirken sie das, was sie sagen, dann werden wir heute genauso wie die Menschen damals von Jesu Hand und Jesu Wort berührt.
S. 90. Der Blick in das unendlich erscheinende Universum mit den vielen Galaxien hindert uns daran, Gott zu klein zu denken... Gott ist weder ein innerirdisches noch ein überirdisches Wesen und auch kein außerirdisches Wesen.
S. 91. "Gott sprengt den Personbegriff; Gott ist mehr als Person!" (Hans Küng). Aber Gott ist auch nicht weniger als Person. Gott ist immer beides: persönlich und überpersönlich. Manchmal erlebe ich Gott als das Absolute, als den Urgrund des Seins, als die Liebe, die alles Sein durchdringt. Die Liebe Jesu durchdringt vom Kreuz her die ganze Materie. Doch zugleich müssen wir festhalten: Dieser unbegreifliche, unendliche Gott, das wahre Sein ist zugleich eine Person... Gott kann mich ansprechen in seinem Wort. Er spricht mich auch an in der Unendlichkeit und Größe des Kosmos.
S. 93. Wenn wir zu Gott beten, wächst in uns die Hoffnung, nicht nur für uns, sondern auch für andere Menschen. Das Gebet wirkt, weil Gott in uns Raum bekommt. Augustin drückt das so aus: Wenn wir beten "Dein Reich komme zu uns", dann wächst in uns die Sehnsucht nach dem Reich Gottes. Und wenn die Sehnsucht nach dem Reich Gottes in uns wächst, dann verwandelt das uns selbst und die Welt um uns herum. Und dann kommt das Reich Gottes zu uns. Dann wird in unserer Seele etwas heller. Und das erhellt die Welt um uns herum.
S. 95. Die Schönheit der Schöpfung ist ein Widerspiegeln der Schönheit Gottes... Das Schöne verbindet Theologie und Naturwissenschaft.
S. 105. Wir ahnen sowohl in der Theologie als auch in der Quantenphysik etwas vom Geheimnis der Wirklichkeit.


 

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| Seite zuletzt geändert am: 04.09.2017, 12:41 von Administrator |