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Jensen, Susanne

 

Pastorin Susanne Jensen

susanne-jensen.de

Geboren wurde ich 1963 in Westfalen.
Meine gesamte Kindheit und Jugendzeit wurde überschattet von mehrjähriger sexualisierten Gewalt. Dadurch erlitt ich eine tiefgreifende nicht heilende Seelenbeschädigung und habe zeitlebens mit körperlichen Einschränkungen zu leben. Trotz allem überlebte ich, obwohl ich von meinen Eltern kein Urvertrauen mitbekommen habe und mein Vater der Mensch ist, der mir am meisten im Leben geschadet hat.
Ich nenne diese Zeit „Kinderhöllenlabyrinth“. Meine Schulzeit war durch den Missbrauch und was damit einher ging, stark beeinträchtig.
Ein Umzug von Bayern nach Hamburg verschaffte mir Luft und ich habe „verspätet“ 1985 das Abitur bestanden.
Träume, Wünsche? Gerne hätte ich Kunst studiert, doch dazu fehlte mir der Mut. Ich hatte noch keinen Zugang zu meiner ureigenst innewohnenden Seelenkraft. Die langjährige Traumatisierung hat bei mir zu einer strukturellen dissziativen Persönlichkeitsstörung geführt. Dazu kam, dass ich als Jugendliche schon zur Alkoholikerin wurde. Dies gehört zu meinem Selbstverletzenden Verhalten, eine Folge des Missbrauch. Dass ich Borderliner bin, das wurde mir erst viel später klar.

Mein Vater, ein angesehener Mann und höherer Beamter, überredete mich, etwas „ordentliches“ zu studieren. So fing ich ohne Begeisterung Rechtswissenschaften in Hamburg zu studieren an. Unwirklich war auch diese Zeit, denn ich konnte mich nicht von zu Hause lösen, lebte im Umfeld des Missbrauchs und wurde stetig retraumatisiert.

Auf der Suche nach Halt und Heilsein beschäftigte ich mich immer mehr mit dem christlichen Glauben. Besonders angesprochen hatte mich das menschliche Miteinander in einer Hamburger katholischen Kirchengemeinde. 1986 wurde ich dort getauft.
Ein kurzes Intermezzo war mein Versuch in einer Ordensgemeinschaft Heimat zu finden. Es gab erneute Brucherfahrungen und Enttäuschungen. Auch die Tatsache, dass ich als Frau innerhalb der Katholischen Kirche per se diskriminiert werde, konnte ich immer weniger akzeptieren.

Meine geweckte Begeisterung für Theologie führte dazu, dass ich einen Studiengangwechsel zur Evangelischen Theologie wagte. Viele Gespräche mit Lehrenden und gewonnene Freude an der Homiletik machten mir die Entscheidung leicht 1992 zu konvertieren.

Nach bestandenem 1. theologischen Examen 1996 musste ich bis 1998 auf einen Vikariatsplatz warten. Alles kostete viel Kraft. Ich versuchte zu funktionieren, nicht auf zu fallen, einfach „normal“ zu leben. Dies viel mir immer schwerer, da ich mir Zeit meines Lebens wie ein „Mondkalb“ vorgekommen bin. Während der weiteren theologischen Ausbildung erlebte ich „Flashbacks“ (Rückerinnerungen an die Missbrauchsjahre), die es mir unmöglich machten, einfach so weiter zu machen. Nach einem langen Klinikaufenthalt und einer dann anschließenden Psychoanalyse bestand ich 2001 mein 2. theologisches Examen.

Die Nordelbische Kirche (jetzt Nordkirche) hat mich nicht „mit Kusshand“ übernommen. Ich wurde 2002 erst einmal auf befristeten Stellen als Vakanzvertreterin eingesetzt, bis ich auf einer Einzelpfarrstelle im Dänischen Wohld Fuß fassen konnte. Ich beging den Fehler zu glauben, dass ich ausreichend therapiert und dass mein Trauma durch den einen Klinikaufenthalt aufgearbeitet sei. Die stetig steigenden Anforderungen auf dieser Landpfarrstelle führten 2006 zu einem Burnout, der mich fast das Leben gekostet hätte. Mit aller Macht kamen Weitere Erinnerungen hoch, dazu Opfergefühle wie: Ohnmacht, Todesangst, Einsamkeit, Schuld- und Schamgefühle ... Erst Sommer 2008 nach zwei längeren Klinikaufenthalten konnte ich wieder arbeiten. Nun auf einer Stelle mit besonderem Dienstauftrag als Vakanzvertreterin. Zu 100% leiste ich seit dieser Zeit reine pastorale Arbeit.

Ende 2009 habe ich mich entschlossen mein Coming-Out als Missbrauchsüberlebende zu machen. Der Superintendent von Berlin Stadtmitte, Dr. Bertold Höcker, hat mich dabei unterstützt. Am 4. Juli 2010 konnte ich in einem Themengottesdienst in der Martha-Kirche, Berlin Kreuzberg, darüber sprechen, was die Folgen von langjährigem Missbrauch in der Kindheit sind. Gleichzeitig kochte im Frühsommer 2010 der zur Zeit größte bekannte Missbrauchsskandal der Evangelischen Kirche, in meiner Landeskirche, in Ahrensburg, hoch. Mit den Kollegen vor Ort haben wir versucht uns dem Leid der Betroffenen zu stellen. Zu Buß- und Betag 2010 und 2011 habe ich in der Schlosskirche zu Ahrensburg gepredigt. Bis sich meine Landeskirche dem Missbrauchsskandal stellte, dauerte es. In dieser Zeit habe ich viel über das „System Missbrauch“ gelernt.

Heute sehe ich zurück auf lange Zeit der Dunkelheit in meinem Leben. Doch ich habe so viel Glück gehabt. Ich habe die richtigen Menschen zur richtigen Zeit getroffen, ich habe den Bezug zu Gott als meinen Wegbegleiter nicht verloren. Dazu habe ich Zugang zu meinem innersten Seelenkern gefunden.

Mit zwölf Jahren habe ich mir nach drei Suizidversuchen mein erstes Kreuz gebastelt. Dies ohne getauft zu sein, nur aus einem tiefen Gefühl heraus, dass es für mich etwas bedeutet, dass Gott am Kreuz gestorben ist.

Trotz allem, ich habe überlebt!
Pastorin Susanne Jensen

www.stimme-der-opfer.de

Film über mein Leben, in der WDR-Reihe "Hautnah, Produzent Udo Kilimann, Titel "Es war der eigene Vater". Hier klicken

Interview mit Wolfgang Severin in der Bibel-TV Sendung "Das Gespräch", mit dem Titel "Ich bin Missbrauchsüberlebende". Hier klicken

 


In der Reihe “Lebenszeichen” auf WDR am 20. September 2015 :

“Vom Ideal zum Schimpfwort: Opfer”

ehemalige KonfirmandInnen von mir, Dr. Veronika Hoffmann, mein Mann und ich sprechen über Mobbing, über Opfer-Sein, Überleben und die jüdische und christliche Bedeutung des Opfers in der religiösen Praxis. Caroline Nokel führte die Interviews.

 

Jetzt spielen: -

 


"Gott will in Dunkel wohnen"

ist Menschen gewidmet, die in lang anhaltender Dunkelheit Leid erfahren haben. Schwere körperliche und seelische Erkrankungen, Ausgrenzung, Gewalt und Missbrauch. Drei Menschen berichten, was sie zu Leid denken, was ihnen im Leid hilft und was wenig hilfreich ist. Leid als Strafe Gottes oder als Bewährung? Welches Gottesbild ergibt sich für die drei Interviewten aus ihrer höchstpersönlichen Lebens- und Leiderfahrung?
Möge der Film Menschen Mut machen, ihren ganz eigenen Weg zu finden im täglichen Ringen.
 

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Liebe zu mir selbst - Sexualität

Dies ist ein Film, den wir am 31. Juli 2013 gedreht haben. Es ist der Auftakt einer Reihe von Filmen zu Werkstücken und Gedichten von mir. In diesem Film geht es zentral um Liebe - Partnerschaft - Sexualität - darum, wie schwierig es ist für Missbrauchsüberlebende einen Weg zur eigenen selbstbestimmten Sexualität zu finden. - Der Film ist nicht ganz einfach zu verdauen. Schaut ihn Euch - wenn Ihr nicht ganz standfest seid - mit einer vertrauten Person an. - Liebe + Sexualität geht - ist möglich für MÜ´s

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Gott war mitten im Drecksmodderloch

Freiheit leben - denken
Freiheit und Himmel gehören zusammen. Der Himmel gehört AUCH Missbrauchsüberlebenden. Lange Zeit konnte ich durch meine schwere Traumatisierung Himmel nicht fühlen, nicht sehen. Für mich war das Leben verdunkelt, weil sich meine gesamte Kindheit wie Karfreitag angefühlt hat. Doch ich wollte nicht, dass mein ganzes Leben überschattet ist durch die Gewalt, die ich erleben musste. So habe ich mir die Freiheit genommen, in Worte zu fassen, was unfassbar ist. Für mich ist es AUFERSTEHUNG, nicht mehr zu schweigen, AUFERSTEHUNG immer mehr ich selbst zu werden. Dazu hat mir Gott verholfen, der bei mir mitten im Drecksmodderloch war, als ich genichtet wurde. Ich wünsche allen Leidensgenossen AUFERSTEHUNG und MUT ZU SICH SELBST!

Nun ich bin eben dauernd am denken - malen - schreiben.

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WDR-5 Sendung " Diesseits von Eden" 

Thema: Opfer und Sühne

Mitleidender Jesus statt Opferlamm
Die Pfarrerin und Missbrauchsüberlebende Susanne Jensen.
Autorin: Sandra Stalinski

 

 

© 2017 Gesellschaft für eine Glaubensreform e.V.
| Seite zuletzt geändert am: 26.02.2017, 10:36 von Ulrike Fries-Wagner |