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Unterricht

 

 

 

 

 

 

 

 

Alle heutigen Religionen haben ihre Basis im mythischen Denken. Der Überschritt zum rationalen Denken in der sogenannten Achsenzeit hat die mythische Welt nicht zurückgelassen. Sie artikuliert sich weiterhin im Glaubensbekenntnis wie insgesamt in der dogmatischen und liturgischen Tradition. Im Religionsunterricht gilt es, diesen weitergeführten Mythos aus den geschichtlichen Bedingungen seiner Zeit als Mythos zur Sprache zu bringen. Das verlangt:

Historisch-kritisch zu denken

Erst die historisch-kritische Exegese hat die Bibel einer rationalen Fragestellung erschlossen, um sie theologisch reflektieren zu können. Damit untersteht die Bibel hermeneutischen Regeln, die für alle Literatur gelten und Bedingung dafür sind, mit ihr in Schulen und Hochschulen umgehen zu können. Zwar kommt unter wissenschaftlicher Methodik ein Text nur in Teilaspekten seines Gehalts zur Sprache, doch ohne diesen Ansatz bliebe nur "wilde Exegese" zu befürchten.


Die Wahrheit der Sprachformen zu erschließen

Beim nächsten Schritt des Religionsunterrichts geht es um die Wahrheit der sprachlichen Formen. Jede literarische Gattung hat ein spezifisches Verhältnis zur Wirklichkeit und tritt darin nicht gegen historische Faktizität an. Das gibt der Bibel eine neue Gültigkeit. Der Mythos kann nun als Mythos zur Sprache gebracht werden, wie auch die Legende nur als Legende Beachtung verdient.


Den Religionsunterricht kulturhermeneutisch zu öffnen

Zugleich geht es im Religionsunterricht um die Wirkungsgeschichte von Bibel und christlichem Glauben. Die Glaubenswelt begegnet ja im gesamten Spektrum unserer Kultur: in Literatur, Kunst und Musik, in Architektur und Brauchtum, in Kirchen und Kapellen unterschiedlicher Zeiten und Landschaften, in der Geistes- und Sozialgeschichte Europas … Ein diese Thematik bearbeitender Religionsunterricht schließt eine breite Kulturhermeneutik ein.


„Mehr als alles“ im Sinn zu haben

Zu all dem muss eine spirituelle Dimension hinzukommen. Dem Religionsunterricht sind letzte Fragen aufgegeben, welche die Schülerinnen und Schüler mit sich selbst konfrontieren und vor eine Sinnperspektive stellen, welche die Gottesfrage in sich einschließt. Das führt einen Weg, der philosophische Fragen weckt, aber auch mit der gekreuzigten Kreatur und dem ausgelieferten, ohnmächtigen Mitmenschen konfrontiert. Es ist letztlich ein Weg der Menschwerdung, der den „Sinn für den Sinn“ wachhält und zugleich den Wunsch, dass es im Leben „mehr als alles“ gebe.
 

(Hubertus Halbfas)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bisher sind die nichtchtristlichen Religionen in den Lehrplänen für den Religionsunterricht an staatlichen Schulen ein "Stoff" neben anderen. Diese Konzeption wird der gesellschaftlichen Realität in Deutschland allerdings immer weniger gerecht. Denn nicht zuletzt durch die große Zahl muslimischer Flüchtlinge, die in unsere Gesellschaft integriert werden müssen (und wollen!), wird die Zugehörigkeit zu einer nicht-christlichen Religion etwas, was unseren Kindern im Zusammenhang mit konkreten Menschen und eben nicht nur als Lernstoff begegnet. Das erfordert eine neue Sensibilität in der Wahrnehmung, und das schließt auch ein, dass diesen Anderen dieselben Bildungswege wie den christlichen Kindern offenstehen. Denn im Religionsunterricht soll ja schließlich - anders als im kirchlichen Unterricht - die jeweils eigene Tradition auch bewusst gemacht und kritisch reflektiert werden.   

Was daraus für die konkrete Gestaltung von Lehrplänen an den Schulen folgt, wird bislang von den deutschen Bundesländern - sehr unterschiedlich - geregelt. Wichtig scheint allen staatlichen Stellen zu sein, dass der Islamunterricht an deutschen Schulen ein aufklärerisches und kritisches Element beinhaltet. Die Gründung von Lehrstühlen für Islamische Theologie an deutschen Fakultäten weist den Weg letztlich auch zu einem staatlich organisierten islamischen Religionsunterricht.

(Klaus-Peter Jörns, 8.3.16)

 

Autor

Prof. Dr.
Hubertus Halbfas


 

© 2017 Gesellschaft für eine Glaubensreform e.V.
| Seite zuletzt geändert am: 07.04.2016, 17:07 von Klaus-Peter Jörns |