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Strukturelle Gewalt und Kirche

 

 

 

 

 

 

Ausschnitt aus "Das jüngste Gericht", Triptychon von Hans Memling, rechte Tafel, um 1470 

 

 

Man kann Menschen mit körperlicher Gewalt aus der Kirche hinausdrängen und die Tür hinter ihnen zuschlagen. Das ist Nötigung und kann als Körperverletzung und Verstoß gegen das Grundrecht auf Unversehrheit gewertet werden.

Man kann Menschen  auch wegen ihrer sexuellen Orientierung, wegen einer Behinderung oder weil sie geschieden sind und für eine neue Partnerschaft den Segen der Kirche wollen, aus der Kirche hinausdrängen, ausschließen und ihnen die Tür zuschlagen, ohne ihnen dabei ein Haar zu krümmen. Das ist dann eine Form von struktureller Gewalt und sozialer Ausschließung; die ist nicht verboten, aber sie ist ein Unrecht. Wir benützen für beides dieselben Worte. Das eine ist nicht besser als das andere. Jesus hat die Scheinheiligkeit der strukturellen Gewalt treffend charakterisiert, wenn er die bloßstellt, die penibel auf die Erfüllung unwichtiger Gebote bestehen, aber das, was wichtig ist, nämlich Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Vertrauen mit Füßen treten, die Mücken heraussieben und Kamele verschlucken (Mt 23,23f.).

Die strukturelle Gewalt ist scheinbar „anständig“, sie schafft Leiden und verletzt, aber es gibt keinen Täter, mit dem man sich auseinandersetzen könnte. Zur Verletzung kommt das Gefühl hinzu, ihr ohn­mächtig ausgeliefert zu sein. Zu ihrer Rechtfertigung werden in den Kirchen gerne „fürsorgliche“ und verallgemeinernde Sätze gesagt, z.B.: „Die Pfarrer mit Behinderungen müssen davor geschützt wer­den, sich zu überfordern. Deshalb sollten sie vorzugsweise eingeschränkte Dienstaufträge bekom­men.“ Sie erscheint oft im Talar, hinter dem sich ein Mensch versteckt. Besser wäre ein Schutzmantel, wie ihn Maria auf manchen Bildern trägt: unter dem finden Verletzte und Hinausgedrängte Platz. Und wenn sie sich erholt haben, gehen sie ins Freie.

Wir treten dafür ein, dass strukturelle Gewalt beim Namen genannt und abgebaut wird. Wenn es um Menschen geht, gilt: „Der Sabbat ist für die Menschen da und nicht die Menschen für den Sabbat“ (Mk 2,  27). 

(Gottfried Lutz +)

Autor

 Pfarrer Gottfried Lutz

 


 

© 2017 Gesellschaft für eine Glaubensreform e.V.
| Seite zuletzt geändert am: 07.04.2016, 17:12 von Klaus-Peter Jörns |