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Ostern - ein Mythos?

30.05.2017
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Ostern - ein Mythos?


Viele Zeitgenossen haben keine klare Vorstellung, warum wir Ostern feiern. Noch weniger aber wissen, dass Ostern mit der Paradies-Erzählung zusammenhängt.
Die Geschichte von Adam und Eva gehört vielleicht zu den bekanntesten Erzählungen aus der Bibel. Spätestens seit die biologische Evolution zum aufgeklärten Wissen gehört, ist der Glaube obsolet geworden, die Menschheitsgeschichte beginne mit Adam und Eva. Das Paradies ist ein Mythos – selbst für Bibelwissenschaftler eine unbestrittene Tatsache.
Mit der Geschichte vom verlorenen Paradies verarbeitet der Erzähler das traumatische Erlebnis der Zerstörung Israels durch die Assyrer im Jahr 722 v. Chr. Die empfundene Katastrophe deutet er als Strafgericht Gottes für die Schuld seines Volkes. Im Sündenfall Adams findet sie ihren mythologischen Ausdruck. Der Mythos verdeutlicht auf sinnbildliche Weise: wer Gott nicht gehorcht, muss Strafe erleiden.
Etwa 750 Jahr später ist eine andere Katastrophe zu bewältigen. Die blutige Hinrichtung Jesu von Nazareth. Der Botschafter der Liebe muss wie ein Schwerverbrecher am Kreuz sterben. Um diesem unfassbaren Ereignis einen Sinn zu geben, suchen seine Jünger eine Antwort in der Schrift. Beim Propheten Jesaja werden sie fündig: »Durch sein Leiden wird mein Knecht viele rechtfertigen, indem er ihr Verschulden auf sich nimmt.« Der Glaube, dass Jesus als dieser Knecht seine Mission erfüllte, führt zu der Botschaft: Sein Tod ist ein Sühn-Opfer, durch ihn sind wir erlöst. Die urchristliche Gemeinde kannte die Rede von der Auferstehung nicht. Sie bekräftigt aber die Lehre vom Erlösungstod.
Paulus greift ergänzend auf den Paradies-Mythos zurück und interpretiert ihn für seine theologischen Zwecke neu. Er schafft alternative Fakten. Um die Bedeutung der Erlösung durch den Opfertod universal zu erhöhen, stellt er Jesus, den Erlöser, dem Ursünder Adam diametral entgegen. »Denn wie durch den Fall des Einen über alle Menschen die Verdammung kam, so kommt auch die gerechte Tat des Einen über alle Menschen die lebenswirkende Rechtfertigung.« (Röm 5,19). Den Sündenfall Adams bezieht Paulus nicht mehr auf Israel, sondern auf die ganze Menschheit. Durch die paulinische Opposition: „Adam – Christus“ ist Erlösung notwendigerweise auf die Ursünde Adams bezogen. Ohne Adam – kein Christus, ohne Sünde – keine Erlösung.
Die Erkenntnis, dass die Paradies-Erzählung ein Mythos ist, wirft die Frage auf, ob auch die Deutung des Kreuzestodes als universales Erlösungsopfer („durch sein Blut sind wir erlöst“) ein Mythos ist. Denn den Glauben an die Erlösung hat Paulus durch den Paradies-Mythos „infiziert“. Christen von heute müssen sich der kritischen Frage stellen, was Erlösung für sie bedeutet. Ostern bleibt eine Herausforderung.

Dr. Wolfgang Mölkner

Zuletzt geändert am: 30.05.2017 um 16:09

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© 2017 Gesellschaft für eine Glaubensreform e.V.
| Seite zuletzt geändert am: 19.06.2017, 15:32 von Ulrike Fries-Wagner |